Polizei im Saarland führt neue Elektroschock-Waffe ein

Pilotprojekt in drei Dienststellen : Polizei testet ab 6. Mai Elektroschock-Waffen

Die saarländische Polizei führt probeweise eine neue Waffe ein. Im Behördendeutsch wird sie Distanzelektro-Impulsgerät (DEIG) und in der Umgangssprache nach dem führenden US-Hersteller „Taser“ genannt.

Seit 2010 wird sie vom Spezialeinsatzkommando (SEK) getestet. Nun wird ihr Einsatz ab dem 6. Mai in drei saarländischen Dienststellen erprobt.

Dazu wurden 120 Polizeibeamte in einer Arbeitsgruppe fortgebildet. Bis Herbst testen diese Beamten im Wach- und Streifendienst der Polizeiinspektionen Neunkirchen und Saarlouis sowie der Operativen Einheit in Saarbrücken-St. Johann insgesamt zwölf Taser. 1400 Euro kostet ein solcher Taser.

Hauptkommissar Thorsten Schwarz mit dem neuen Taser. Foto: BeckerBredel

Ähnlich einer Schusswaffe wird der Taser mittels eines Abzugs ausgelöst. Mit Gasdruck schießen danach zwei Metallpfeile an dünnen Drähten Richtung Täter, der bis zu einer Entfernung von sieben Metern getroffen werden kann. Treffen die Pfeile das Ziel, liegt hoher Strom zwischen den Elektroden, der zwar nicht lebensgefährlich hoch ist, aber die Muskulatur verkrampft. Der Getroffene kann willkürlich nichts dagegen tun. Bis sich der Strom nach einigen Sekunden automatisch abschaltet, wird er handlungsunfähig.

Mir ist es wichtig, dass wir unsere Polizistinnen und Polizisten schützen, die sich jeden Tag zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land einsetzen und unsere Sicherheit gewährleisten. Der ‚Taser‘ kann, das haben bisherige Ergebnisse gezeigt, dazu beitragen“, sagt Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU). Die Polizei setze dabei auf die abschreckende Wirkung. Gerade aggressive Menschen, die der Polizei gegenüberstehen, könne man mit den Tasern wirkungsvoll beeindrucken. „Erfahrungen in anderen Bundesländern haben uns gezeigt, dass bereits durch die Androhung des Einsatzes des DEIG bis zu 80 Prozent der Einsatzsituationen nachhaltig deeskaliert werden konnten“, so Peter Fuchs, Leitender Polizeidirektor.

Die Polizeigewerkschaften GdP und DPolG begrüßen das Pilotprojekt. Der Taser schließe die Lücke zwischen „Reizstoffsprühgerät/Schlagstock und der Schusswaffe im Saarländischen Polizeigesetz“, sagt David Maaß, Landeschef der GdP. Sascha Alles, Landesvorsitzender der DPolG, sagt, der Elektroschocker sei ein „zeitgemäßes, modernes Einsatzmittel, dass auch durch das bloße Androhen eine sehr gute Wirkung auf das polizeiliche Gegenüber hat“.

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