Kurswechsel: Lehrer gegen Turbo-Abi Neue Debatte um G9 an Saar-Gymnasien

Saarbrücken · Spektakulärer Kurs-Wechsel: Der stärkste Verband von Lehrern an Saar-Gymnasien will das Turbo-Abi kippen.

 Der Saarländische Philologenverband (SPhV) fordert in einem neuen Beschluss die Verlängerung der gymnasialen Schulzeit auf neun Jahre.

Der Saarländische Philologenverband (SPhV) fordert in einem neuen Beschluss die Verlängerung der gymnasialen Schulzeit auf neun Jahre.

Foto: dpa/Armin Weigel

Die Eltern und Schüler im Saarland, die seit Jahren erfolglos für eine Abkehr vom achtjährigen Gymnasium kämpfen, erhalten jetzt Unterstützung von der stärksten Interessenvertretung der Gymnasiallehrer. Der Saarländische Philologenverband (SPhV), der sich in der Vergangenheit stets gegen Debatten über die Schulstruktur gewandt hatte, fordert in einem neuen Beschluss die Verlängerung der gymnasialen Schulzeit auf neun Jahre. Damit dürfte die Debatte an Fahrt aufnehmen.

Zwar bezeichnete der SPhV-Vorsitzende Marcus Hahn das G8 im SZ-Interview als „Erfolgsmodell“. Angesichts neuer Herausforderungen und veränderter Lern- und Arbeitsbedingungen müsse es jedoch weiterentwickelt werden. „Wir sagen ganz offen, dass das nicht ohne zusätzliche Ressourcen geht. Eine davon ist ein zusätzliches Lernjahr“, sagte Hahn. Er betonte, dass der Verband nicht einfach zum G9 der 1990er Jahre zurück will.

Das zusätzliche Jahr sei vielmehr nötig für einen neuen Profilbereich „Digitalisierung und Globalisierung“ mit den eigenständigen Unterrichtsfächern Mehrsprachigkeit und Informatik ab Klassenstufe 5. Auch spricht sich der SPhV für ein neues pädagogisches Konzept für die Mittelstufe aus, das den Lehrern mehr Freiräume gibt, „um die Unterrichtsinhalte auf die Lebenssituation und die Lernvoraussetzungen der Schüler in dieser manchmal schwierigen Altersstufe anzupassen“.

Die Elterninitiative „G9-jetzt!“ war 2017/18 mit einem Volksbegehren zur Rückkehr zu G9 gescheitert. Eine Umfrage der Landeselternvertretung der Gymnasien im Jahr 2019, nach der eine Mehrheit der Eltern zurück zu G9 will, wurde vom Bildungsministerium nicht als repräsentativ verworfen. Die große Koalition hat sich darauf verständigt, das strittige Thema G8/G9 bis zur Landtagswahl 2022 nicht mehr anzupacken. Eine 2017 von der Landesregierung eingesetzte Experten-Kommission, die sich mit dieser und anderen bildungspolitischen Fragen beschäftigen soll, hat das Thema bisher ausgeklammert.