Philologenverband diskutiert über Wandel des Fremdsprachenunterrichts

Strategien für Mehrsprachigkeit : Fremdsprachenunterricht in Zeiten der Digitalisierung

Binnen Sekunden haben Online-Übersetzungsdienste wie Google Translator oder Deepl.com einen Text in eine andere Sprache übersetzt – und die Qualität dieser Übersetzungen wird immer besser.

Wie sollte moderner Fremdsprachenunterricht an Gymnasien aussehen, der Entwicklungen wie diese berücksichtigt? Welche Rolle spielt das Erlernen von anderen Fremdsprachen neben Englisch, wenn selbst an französischen Universitäten ein Studium inzwischen möglich ist, ohne perfekt Französisch zu sprechen, weil viele Kurse auf Englisch gehalten werden?

Fragen wie diese diskutierte der Saarländische Philologenverband (SPhV) jetzt unter dem Motto: „Mehrsprachigkeit am Gymnasium – mehr als nur Sprachen“. Wenig verwunderlich, dass die – zumeist Fachlehrer – das Erlernen von Fremdsprachen trotz Übersetzungsdiensten nicht für verstaubt hielten. „Eine App übersetzt nur die Worte, aber Sprache hat auch eine Erfahrungsebene, die die Worte mit einem Lebensgefühl und kulturellen Werten wie Freiheit und Philosophie erfüllt“, sagte ein Lehrer. Sprache habe sehr viel mit interkulturellem Lernen zu tun. Wer mehrere Sprachen beherrsche, der betrachte aus verschiedenen Facetten die Welt, befand der SPhV-Vorsitzende Marcus Hahn.

Doch müsse über die Inhalte des Fremdsprachenunterrichts diskutiert werden und wie diese an die heutige Zeit angepasst werden können. „Wie sinnvoll ist es, wenn wir mit den Schülern üben, wie sie im Ausland nach dem Weg fragen, wenn jeder per Internet die Routenplanung auf dem Smartphone hat?“, fragte eine Lehrerin. Auch die Frage, wie Lehrkräfte besser die Herkunftssprachen der Schüler in den Fremdsprachenunterricht mit einbeziehen können, wurde diskutiert.

Vielfach wurde der Wunsch nach einer besseren Vernetzung des Fremdsprachenunterrichts geäußert. Wie eine solche Kooperation aussehen kann, erläuterte die Professorin für Fremdsprachendidaktik an der Universität Rostock Steffi Morkötter in ihrem Vortrag: „Kooperationsmöglichkeiten zwischen Lehrkräften verschiedener Sprachen durch sprachenübergreifende Materialien“. Bisher gebe es nur eine sehr geringe Abstimmung zwischen den Lehrbüchern etwa für Englisch und Französisch – auch wenn sie im gleichen Verlag erschienen seien. So könnte etwa bei der zweiten Fremdsprache auf Lernstrategien etwa beim Vokabellernen von der ersten Fremdsprache aufgebaut oder auf Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen hingewiesen werden. „Bisher wird das nur sehr punktuell berücksichtigt“, sagte Morkötter. Sie regte ein sogenanntes mehrsprachiges Wörterbuch zum besseren Erschließen von Wörtern an, bei dem im Vokabelheft neben der deutschen Übersetzung die Begriffe neben Englisch und Französisch auch etwa auf Italienisch, Latein oder der Muttersprache des Kindes geschrieben werden könne. „Auf diese Weise werden Regelmäßigkeiten in den Sprachen sichtbar, etwa anhand der Wortendungen“, sagte sie. Im Rahmen des Projekts „Brücken zwischen Lehrwerken in Deutschland“ arbeite sie daran, mehrsprachige Module und passendes Lehrmaterial zu entwickeln. So könne es Module zu den Themen „Schule“ oder „Hobbys“ geben, die sprachenübergreifend behandelt werden könnten. Anstatt jeweils zu lernen, wie das Schulsystem in Frankreich oder in England aufgebaut ist, könnten Schüler das englische und französische Schulsystem direkt miteinander vergleichen und so interkulturelle Kompetenzen erwerben. „Oft weiß der Englischlehrer nicht, was der Französischlehrer mit der Klasse macht“, sagt die Professorin. Hier seien Handreichungen für Lehrer und Fortbildungen geplant.

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