Organspende: Christian Petry (SPD) bekennt sich zur Widerspruchslösung

Neuregelung im Bundestag : Organspende: SPD-Abgeordneter Petry bekennt sich zur Widerspruchslösung

Soll jeder ein möglicher Organspender sein, solange er nicht widerspricht? Dafür hat sich der saarländische Bundestagsabgeordnete Christian Petry (SPD) vor der entscheidenden Abstimmung in Berlin ausgesprochen.

Am Donnerstag geht es im Parlament um zwei Gesetzentwürfe zur Neuregelung der Organspende in Deutschland. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach führen eine Gruppe von Abgeordneten an, die eine doppelte Widerspruchslösung anstreben.

Wer zu Lebzeiten nicht widerspricht, soll automatisch als Organspender in Frage kommen – so sieht es der Gesetzentwurf vor, zu dessen Unterstützern auch der saarländische Abgeordnete Petry zählt. Der Vorschlag sieht auch ein Zentralregister vor, um Widersprüche festzuhalten. Geht es nach Petry, soll die Organspende ein „gesetzlicher Regelfall“ werden.

Der Saarländer Christian Petry sitzt für die SPD im Bundestag. Foto: dpa/Jörg Carstensen

„Ich bin der Meinung, dass sich ein Mensch wenigstens einmal zu Lebzeiten mit seiner Zustimmung oder Ablehnung zur Organspende befassen sollte und seine Entscheidung gegebenenfalls dokumentiert“, erklärte Petry am Mittwoch.

Am Nachmittag befürwortete auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) die Widerspruchslösung. Er unterstütze den Vorschlag von Gesundheitsminister Spahn, so der Regierungschef auf Twitter. Die Neuregelung der Organspende sei ein „sehr emotionales Thema“, weshalb es gut sei, dass den Abgeordneten bei der Abstimmung im Parlament eine Gewissensentscheidung ermöglicht worden sei.

Denn eine zweite Gruppe im Bundestag kämpft für eine andere Lösung. Einer Organspende soll eine klare Entscheidung vorausgehen. Wer anderen Menschen mit einem Organ oder Gewebe helfen möchte, soll sich in ein Online-Register eintragen oder bei der Beantragung eines Personalausweises sein Okay geben. Für diese Variante sprechen sich neben der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock auch die Parteichefs Katja Kipping (Linke) und Christian Lindner (FDP) aus.

Das Saarland verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg an Organtransplantationen, gegenüber 2018 stieg deren Zahl von 48 auf 71. Bundesweit warten rund 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan. 2019 ließen sich in Deutschland 932 Bürgerinnen und Bürger Organe entnehmen.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse stehen 77 Prozent der Befragten im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Hessen Organspenden „eher positiv“ gegenüber – bundesweit ist das jedoch der niedrigste Zustimmungswert. Nach Angaben der Krankenkasse verfügen in den drei Ländern derzeit 43 Prozent der Menschen über einen Organspendeausweis, wobei 84 Prozent von ihnen einer Spende zustimmen.