Onlinerland Saar: Ein Kompass durch den digitalen Dschungel

Onlinerland Saar : Ein Kompass durch den digitalen Dschungel

Das „Onlinerland Saar“ ist als einer der ersten „Digital Kompass“-Standorte für ältere Menschen in Deutschland ausgewählt worden.

Älteren Menschen einen sicheren Umgang mit dem Internet und digitalen Diensten nahezubringen und sie zu allen Fragen rund um Internet und IT-Sicherheit zu beraten: Das ist das Ziel des bundesweiten Projektes „Digital-Kompass“. „Ich bin stolz, dass wir jetzt als eine der Ersten ausgezeichnet werden“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) am Mittwochabend bei der Landesmedienanstalt (LMS) in Saarbrücken. „Das liegt sicherlich nicht daran, weil wir so schlecht sind, sondern eben besonders gut!“ So konnten seit dem Start der Initiative „Onlinerland Saar“ im Jahr 2005 bereits mehr als 85 000 Menschen geschult werden. Bei der Internet-Nutzungsquote, so LMS-Direktor Uwe Conradt, habe man sich von einem der letzten Plätze mittlerweile bis zum Durchschnittswert vorarbeiten können.

Auch in Zukunft sollen erfolgreiche Kurse des Onlinerlandes und Projekte wie „Virtuelle Mehrgenerationenhäuser“ fortgeführt werden. Als Digital-Kompass-Standort sei man jedoch nun in der Lage, „eine erhebliche Breite an zusätzlichem Informationsmaterial“ zur Verfügung zu stellen und eine Technik anzubieten, um im gesamten Land digitale Stammtische durchzuführen. Dazu erhalten die Projektpartner kostenlos Beamer, Laptop, Webcam und Mikrofon.

„Wir wollen Anregungen geben, dass auch ältere Menschen bei der Medienkompetenz einen Fuß in die Tür bekommen und sicherstellen, dass wir möglichst viele Menschen erreichen“, sagte Regina Görner, stellvertretende Vorsitzende der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen). „Und wir haben hohe Erwartungen, dass wir hier in Saarbrücken und mit einer Ausstrahlung ins ganze Land auch eine entsprechende Resonanz bekommen.“

Gerade bei älteren Menschen, die Schwierigkeiten hätten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, könne Digitalisierung es ermöglichen, dabei zu sein, ohne am Ort sein zu müssen. Das jedoch setze voraus, dass nicht nur die Technik zugänglich sei, sondern auch, dass älteren Menschen – und besonders solchen mit geringeren Bildungsvoraussetzungen – der Zugang ermöglicht werde. Görner: „Es ist eine öffentliche Aufgabe, sicherzustellen, dass diese Ungleichgewichtung bewusst ausgeglichen und nicht so hingenommen wird.“ Mit dem Digital-Kompass wolle die BAGSO dazu einen Beitrag leisten.

Dass das Saarland mit seiner Kampagne „Onlinerland Saar“ bereits auf dem richtigen Weg ist, zeigte sich bei der Eröffnungsveranstaltung auch an Menschen wie Marita Haas, die für ihre langjährige Teilnahme geehrt wurde. Mehr als ein Dutzend Kurse hat die 78-Jährige bereits besucht – mit wachsender Begeisterung. Heute nutze sie das Internet nicht nur als Bibliothek und bei der Suche nach Gedichten und Essays, sondern tausche darüber auch Fotos und Dokumente mit ihrer Enkelin aus. Von dem ersten PC-Kurs der Landesmedienanstalt sei sie damals „angenehm verführt“ worden, das Internet in einer Gruppe von Gleichaltrigen kennenzulernen. „Das verlief alles sehr entspannt, ohne Angst und Stress“, sagt sie. Und auch in Zukunft wolle sie verstärkt die Angebote nutzen, um noch mehr über die Möglichkeiten des Internets zu lernen und im Umgang damit noch sicherer zu werden: „Ich fange gerade an, mit dem Online-Banking zu liebäugeln“, gab sie zu.

Die Bezeichnung „Digital-Kompass“ ist für Uwe Conradt in diesem Zusammenhang „ein wunderbares Wort“: „Weil es so plastisch ist und zeigt, dass man sich auf dem Weg befindet, aber es manchmal auch etwas Mut braucht, um sich durch das Unbekannte des digitalen Dschungels führen zu lassen.“

Ganz wichtig sei es nach Ansicht von Tobias Hans, dabei nicht nur an die Jüngeren zu denken. „Unsere Digitalisierungsstrategie setzt auf künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit“, betonte er, „aber am Ende ist sie nur dazu da, dass die Menschen spüren, es nützt uns etwas.“

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