ÖPNV im Saarland: Ticketpreise drohen zu steigen

Drohende Tariferhöhung um 5,7 Prozent : Sind teurere Tickets noch zu vermeiden?

Im Saarland könnten Bus und Bahn bald deutlich mehr kosten. Das Verkehrsministerium will das verhindern. Es plant günstigere Tarife.

Während Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) die Ticketpreise senken will, drohen Bus und Bahn im Saarland teurer zu werden. Der Saarländische Verkehrsverbund (SaarVV) könnte die Tarife am 1. Januar 2020 um bis zu 5,7 Prozent anheben. Nun versucht das Haus von Rehlinger, eine Verteuerung noch abzuwenden. Denn ihr Ministerium tüftelt seit Monaten an einem günstigeren Tarifsystem.

Im Herbst wollte sich die Verkehrsministerin bei einer Klausurtagung der Landesregierung um die Finanzierung kümmern. Sollte die geplante Tarifreform mit Flat-Rates und anderen Angeboten kommen, würden die Verkehrsunternehmen etwa zehn Millionen Euro an Einnahmen verlieren. Geld, das die öffentliche Hand zuschießen müsste.

Eine Verteuerung der Fahrpreise liefe dem Vorhaben von Rehlinger zuwider. Daher geht es jetzt um weitere drei Millionen Euro. So viel müsste der Zweckverband Personennahverkehr Saarland (ZPS) aufwenden, um eine Tariferhöhung um 5,7 Prozent zu verhindern. Der ZPS steht hinter dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Region. Ihm gehören neben dem Land alle Kreise sowie die Städte Saarbrücken, Neunkirchen und Völklingen an. Man sei im Gespräch mit den Kommunen, hier eine gute Lösung zu finden, hieß es am Montag aus dem Verkehrsministerium. Den Landesanteil der Kosten könnte man im nächsten Jahr aus Regionalisierungsmitteln tragen.

„Wir müssen den ÖPNV jetzt attraktiver, besser und einfacher machen“, ließ Rehlinger verlauten. „Tun wir nichts, kommt eine Abwärtsspirale aus steigenden Preisen und sinkenden Nutzerzahlen in Gang.“ Der Grund für die drohende Verteuerung sind die Fixkosten, mit denen die Verkehrsunternehmen innerhalb des Saar-Verkehrsverbundes rechnen. Dem Ministerium haben sie einen sogenannten Kostenindex für 2020 vorgelegt. Aus diesem ergibt sich das Recht zu einer Tariferhöhung um 5,7 Prozent. Sowohl der SaarVV als auch das Verkehrsministerium bestätigten diese Zahl am Montag.

Die Gewerkschaft Verdi hatte den möglichen Preisanstieg am vergangenen Freitag öffentlich gemacht. „Wenn es zu diesem enormen Ticket-Aufschlag kommt, ist der ÖPNV im Saarland tot“, sagte Christian Umlauf, Verdi-Gewerkschaftssekretär Verkehr, beim Branchentag Nahverkehr der Arbeitskammer (wir berichteten).

Die Opposition im Landtag griff den drohenden Tarifsprung sofort auf. „Weitere steigende Fahrkartenpreise machen den Nahverkehr in unserem Land noch unattraktiver“, sagte Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine. Gleichzeitig kritisierte er die Reformbemühungen der großen Koalition aus CDU und SPD. „Die von der Landesregierung in Aussicht gestellte Mini-Reform des Tarifsystems reicht nicht aus“, sagte Lafontaine. Nötig sei ein deutlicher Ausbau des ÖPNV, erst dann werde dieser zur echten Alternative zum Privatauto. Jochen Flackus, der parlamentarische Geschäftsführer seiner Fraktion, forderte am Montag einen „Durchbruch“ und ein „Leitprojekt“ bei Bus und Bahn. Flackus: „Wie will ich denn einen Pendler aus Tholey vom Nahverkehr überzeugen, wenn kein Bus fährt?“

Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). Foto: Tittel/dpa. Foto: dpa/Harald Tittel

Tatsächlich hat auch Rehlinger ihre Tarifreform wiederholt als „Baustein“ eines größeren Vorhabens beworben. Ihr Ministerium will bis Jahresende einen Entwurf zum länger angekündigten Verkehrsentwicklungsplan (VEP) vorlegen – mit Verbesserungen bei Angebot und Takt im ÖPNV. Die Regierungsfraktionen im Landtag bekannten sich am Montag grundsätzlich zu dem Reformprojekt. SPD-Fraktionschef Stefan Pauluhn bezeichnete den ÖPNV als eine von „mehreren Leitinvestitionen“. CDU-Fraktionsvize Bernd Wegner sagte: „Wir sind das Land, das die höchste Autodichte hat. Und das hat sicherlich seine Gründe.“ Man werde sich in der Koalition mit dem Nahverkehr auseinandersetzen, erklärte er: „Wir alle haben ein großes Interesse daran, dass der ÖPNV hier im Saarland funktioniert.“

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