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Nordsaarlandklinik: Bescheidene Resonanz auf Investoren-Suche

Kostenpflichtiger Inhalt: Nordsaarlandklinik : Bescheidene Resonanz auf Investoren-Suche

Angebote für den Bau einer Nordsaarlandklinik sind nicht eingegangen. Aber fünf Träger haben Ideen vorgelegt – auch ein privater.

Besonders für die Menschen im Hochwald klang verheißungsvoll, was Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) im November 2019 beim CDU-Landesparteitag in Theley ankündigte: die Suche nach einem Betreiber für eine Nordsaarlandklinik. 180 Briefe und unzählige Gespräche mit Krankenhausvorständen später ist die Resonanz „bescheiden“, wie es in einer Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums heißt.

Die erhofften Angebote für den Bau eines 300-Betten-Hauses im Nordsaarland gibt es nicht. Ministerin Monika Bachmann und Stephan Kolling (beide CDU) berichten in der Mitteilung lediglich von „ersten Überlegungen“ und Projektskizzen. Die Interessenbekundungen, die bis zum Ende der Frist am 30. März eintrafen, gingen in Richtung Netzwerkversorgungen und Kooperationen – was das konkret heißt, bleibt offen.

Fünf Krankenhausträger legten ein Konzept vor. Darunter vier regionale Träger: Marienhaus (betreibt die Kliniken in Losheim, Saarlouis, St. Wendel, Ottweiler, Kohlhof), die Saarland Heilstätten GmbH (SHG; Völklingen, Merzig, Sonnenberg), die Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken (cts; Rastpfuhl und Dudweiler) und die Sophienstiftung (Wallerfangen). „Wenn man alle diese Teile zusammenfügt, hat man eine vernünftige Lösung fürs Nordsaarland“, sagt der Geschäftsführende Direktor der Sophienstiftung, Manfred Klein, dessen Wallerfanger St. Nikolaus-Hospital sich in Lebach beispielsweise ein Medizinisches Versorgungszentrum vorstellen kann. Die Stiftung betreibt dort bereits eine Tagesklinik. Auch der Begriff „Gesundheitscampus“ fällt in der Debatte häufiger.

Auch der Schweizer Konzern Ameos hat ein Konzept vorgelegt, das im Gegensatz zu den saarländischen Trägern auch einen Neubau für eine stationäre Versorgung beinhalten soll, allerdings mit deutlich weniger als 300 Betten. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Zürich beschäftigt mehr als 15 000 Menschen in 67 Krankenhäusern und Polikliniken sowie 27 Pflege-Einrichtungen. Gesundheitsministerin Bachmann hatte schon vor Wochen versucht, Ängste vor einem möglichen privaten Träger im Saarland zu zerstreuen: Ein privater denke wirtschaftlich genauso wie ein katholischer Träger.

Die Nordsaarlandklinik-Diskussion ist eng verwoben mit der Debatte über die Standorte Losheim und Lebach. Marienhaus hat für Losheim eine Bestandsgarantie bis 2022 gegeben und hält den Standort in seiner jetzigen Struktur für dauerhaft nicht überlebensfähig. Als Alternative zur Nordsaarlandklinik schlägt das Unternehmen eine Erweiterung vor: Zu der bestehenden Inneren Medizin (die Konservative Orthopädie ist nach St. Wendel umgezogen) sollen eine Chirurgie und eine Geriatrie kommen, untergebracht in einem noch zu errichtenden Anbau für 60 bis 80 Betten.

Marienhaus will den Plan aber nur umsetzen, wenn das Land die Investitionen finanziert und die Möglichkeit schafft, dass in der Anlaufphase ein Zuschlag für nicht kostendeckend zu betreibende, aber unverzichtbare Kliniken gezahlt wird (was laut Gesundheitsministerium im Saarland nicht möglich ist). Waderns Bürgermeister Jochen Kuttler, der seit der Schließung der Marienhausklinik in seiner Stadt 2017 für eine Nordsaarlandklinik kämpft, hält das für ein vergiftetes Angebot: Wenn das Land die finanziellen Forderungen nicht erfülle, könne das Unternehmen der Politik den Schwarzen Peter zuspielen, wenn es die Klinik in Losheim schließe.

Noch verworrener ist die Lage im Lebacher Caritas-Krankenhaus der Cusanus-Trägergesellschaft (ctt). Die Aufsichtsgremien haben am 5. März beschlossen, ein „Schließungsszenario“ für das hochdefizitäre Haus auf den Weg zu bringen. Was das genau heißt, auch für die 500 Mitarbeiter, weiß niemand – ein offizieller Beschluss, die Klinik dichtzumachen, existiert angeblich nicht. „Es ist alles offen und nichts geklärt“, heißt es verärgert im Gesundheitsministerium.

Die Mitarbeitervertretung berichtete kürzlich, dass sich die wirtschaftliche Situation des Hauses zuletzt verbessert habe und sich in der Corona-Krise zeige, dass es für die Versorgung gebraucht werde. Auch die Bürgermeister aus der Region haben einen flammenden Appell verfasst. Das Gesundheitsministerium will bis zum 17. April Klarheit, was in Lebach geplant ist.

Die eingegangenen Ideen der Träger fürs Nordaarland wollen Bachmann und Kolling als nächstes mit den Trägern besprechen. Parallel hat das Ministerium ein Gutachten zur Verbesserung der Versorgung mit Haus- und Fachärzten in Auftrag gegeben, um ambulante und stationäre Strukturen zusammenzubringen. Bis verbindliche Gespräche geführt werden, könnte es aber noch ein wenig dauern. Die Krankenhausträger haben gerade andere Sorgen. Das Gesundheitsministerium auch.