Neunkirchen: Saar-Linken droht nach Protestaktion eine Zerreißprobe

Kostenpflichtiger Inhalt: Eklat beim Landesparteitag : Saar-Linken droht nach Protestaktion eine Zerreißprobe

Die Saar-Linken stehen nach einem Protest gegen Lokalpolitiker Mekan Kolasinac aus Saarlouis vor einer Zerreißprobe. Kolasinac bewarb sich am Sonntagabend beim Landesparteitag um ein Vorstandsamt.

Darauf reagierte die Linksjugend mit einer Protestaktion. Ihre Delegierten hielten Kolasinac während seiner Bewerbungsrede eine Israel-Flagge entgegen. Das sorgte beim Parteitreffen für Unmut und verbale Attacken. Der Linken-Nachwuchs wirft dem Parteimitglied aus Saarlouis eine antisemitische Äußerung vor. Kolasinac bezichtigt die Linksjugend wiederum des Rassismus.

Der neu gewählte Landes-Chef Thomas Lutze ergriff nach dem Vorfall schnell das Mikrofon. Der Bundestagsabgeordnete war sichtlich um Ausgleich bemüht und versuchte, einen Eklat zu vermeiden. Anders seine Stellvertreterin: Andrea Neumann griff die Linksjugend frontal an. „Das nennt sich die Linksjugend Saarland“, sagte sie vor den Delegierten. „Da stellt sich die Frage: Wollen wir das?“ Ihr Ehemann, der bisherige Landes-Vize Andreas Neumann, sprang ihr zur Seite. Neumann ist auch Vorsitzender des Linken-Kreisverbandes in Saarlouis.

Kolasinac hatte vor zwei Jahren den Linken-Bundesvorsitzenden Bernd Riexinger auf Facebook als „falschen hinterlistigen Juden“ bezeichnet. Anschließend behauptete der Lokalpolitiker, er habe Riexinger nicht „Jude“ nennen wollen - sondern „Judas“. Gegen ihn läuft noch immer ein Parteiausschlussverfahren.

Für Kolasinac stimmten bei der Wahl zum Beisitzer anschließend 45 der noch anwesenden 96 Delegierten. Damit sicherte er sich 46,9 Prozent der Stimmen und das beste Wahlergebnis. Nun droht der Saar-Linken im ohnehin belasteten Verhältnis zum eigenen Jugendverband eine neue Zerreißprobe.

Zum Abschluss des Parteitags bezeichnete Lutze das Zeigen der Israel-Flagge als „Provokation ohnesgleichen“. Denn er nimmt an, die Linksjugend habe provozieren wollen, dass jemand die Fahne herunterreißt. Deshalb sei die Aktion auch gefilmt worden. Lutze kündigte an, darüber im neuen Landesvorstand beraten zu wollen. Die Aktion müsse für die Beteiligten Konsequenzen haben, sagte er.