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Neue Wohnungen in der Landesaufnahmestelle Lebach

Landesaufnahmestelle Lebach : Neue Wohnungen für Geflüchtete im „Anker-Zentrum“

Das Land baut bis 2023 für rund 20 Millionen Euro neue Gebäude in der Landesaufnahmestelle in Lebach.

Eines ist für Innenminister Klaus Bouillon (CDU) klar: Die Landesaufnahmestelle für Geflüchtete, das so genannte „Anker-Zentrum“ in Lebach, „ist unstrittig eine der besten bundesweit“. Fest steht allerdings auch: Die Gebäude, in denen die Menschen untergebracht sind, sind stark sanierungsbedürftig. Sie stammen aus den 1950er Jahren, dienten damals Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges. Von einem angemessenen Wohnstandard kann keine Rede sein. Viele der Wohnungen haben keine Duschen.

Nun soll die Landesaufnahmestelle von Grund auf saniert werden. Die alten Gebäude sollen nach und nach abgerissen werden und neuen Häusern weichen. Eines steht bereits – mit 30, jeweils rund 60 Quadratmeter großen Wohnungen mit zwei Schlafzimmern, Küche, eigenem Bad und Toilette. Bis zu 160 Personen können darin wohnen. Ein weiterer Neubau soll im Herbst bezugsfertig sein. In den kommenden zwei Jahren sollen zudem drei weitere Gebäude folgen. Zwischen drei und dreieinhalb Millionen Euro muss das Land für einen Neubau berappen.

Maximal 1200 Menschen können auf dem Gelände in Lebach leben. Derzeit wohnen dort laut Innenministeriums rund 900 Geflüchtete. 40 Frauen und Kinder befinden sich in der Außenstelle in Braunshausen. Mit den Neubauten bleibe zwar die maximale Belegungskapazität bei 1200 bestehen, doch rund die Hälfte, also 600 Menschen, würden dann „standardgerecht“ wohnen, sagt der Innenminister.

Zusätzlich ist ein neuer Kinderhort für rund drei Millionen Euro geplant. Er soll 2023 fertiggestellt sein und 80 statt zuvor 60 Kindern Platz bieten. Die Hälfte der Kinder kommen aus der Landesaufnahmestelle, die andere Hälfte sind Lebacher Kinder.

Insgesamt werde das Land bis 2023 knapp 20 Millionen Euro in Baumaßnahmen im „Anker-Zentrum“ investiert haben, sagt der Innenminister. Die Gelder seien in der mittelfristigen Finanzplanung enthalten. Die Aufträge dafür seien bislang fast ausschließlich an kleine und mittelständische Unternehmen aus dem Saarland gegangen. Darüber freue er sich besonders, betont Bouillon.

Zufrieden sei er auch, was die Maßnahmen in der Aufnahmestelle gegen das Coronavirus betrifft. Derzeit gebe es laut Innenministerium im „Anker-Zentrum“ keine positiv auf Covid-19 getestete Person. Alle Neuankömmlinge würden getestet, Verdachtsfälle würden 14 Tage in einem getrennten Quarantäne-Bereich untergebracht. Drei Mal täglich würden die Unterkünfte desinfiziert. Die vorgegebenen Richtlinien zum Schutz würden eingehalten.

Der Saarländische Flüchtlingsrat ist davon allerdings nicht überzeugt. Weil dort die Gesundheit der Geflüchteten gefährdet sei, hatte der Verein Anfang Mai Strafanzeige unter anderem gegen Bouillon wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen Verstoßes gegen die saarländische Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gestellt. „Die in der aktuellen Krise von allen eingeforderte Reduzierung sozialer Kontakte oder das Einhalten des notwendigen Sicherheitsabstandes“ seien in Lebach nicht umsetzbar, begründete Peter Nobert, Mitglied im Vorstand des Flüchtlingsrates, damals die Anzeige. Das Innenministerium wies die Vorwürfe zurück. Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, die die Vorwürfe prüft und gegebenenfalls Ermittlungen einleitet.