Neue Sachlichkeit bestimmt RAG-Bürgerdialog zur geplanten Grubenflutung

Kostenpflichtiger Inhalt: Grubenflutung : Neue Sachlichkeit bestimmt Bürgerdialog mit der RAG

Knapp 100 Menschen zeigten in Ensdorf bei der ersten Diskussionsveranstaltung seit der Erörterung ihr Interesse an Aufklärung über die Grubenflutung.

Hat sich die Stimmung gewandelt? Gut dreieinhalb Monate nach der Erörterung zur Grubenflutung mit hitzigen Diskussionen und scheinbar unversöhnlichen Gegensätzen war der Bürgerdialog der RAG am Dienstagabend in Ensdorf von überraschender Sachlichkeit geprägt. Knapp 100 Bürger waren der Einladung des Bergbaukonzerns gefolgt – und brachten dort ihre Sorgen ebenso deutlich zum Ausdruck wie das spürbare Interesse an einer sachlichen Aufklärung. Die RAG bemühte sich um Versöhnlichkeit. So teilte RAG-Betriebsleiter Michael Drobniewski etwa mit: Zwar habe die RAG natürlich langfristig Interesse an einer kompletten Flutung der ehemaligen Bergwerksgruben im Saarland (Phase 2), sollten entsprechende Gutachten aber Gefahren etwa für das Trinkwasser prognostizieren, werde man das Grubenwasser eben nicht bis ganz nach oben ansteigen lassen. Diese Aussage mag selbstverständlich sein, hat man so aber von der RAG noch nicht gehört. Dem Vorwurf des Grünen-Politikers Hubert Ulrich, dass man nur im Saarland eine komplette Flutung der Gruben plane, während Nordrhein-Westfalen nur Teilflutungen zuließe, widersprach Drobniewski. In NRW gebe es mehrere Gruben, die derzeit komplett voll liefen.

Die Fragen der Bürger beziehen sich an diesem Abend fast ausschließlich auf die Sorge vor Trinkwasser-Verunreinigungen. Bei der jetzt beantragten Teilflutung der Gruben auf -320 Meter (Phase 1) wird es laut Gutachten keine Beeinträchtigung des Trinkwassers geben, führt Drobniewski aus. Grund- und Grubenwasser trennten selbst nach kompletter Teilflutung noch wenigstens 500 Meter voneinander. Dennoch soll die Grundwasserqualität während des Grubenwasseranstiegs regelmäßig überprüft werden.

Bastian Reker vom Forschungszentrum Nachbergbau der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum berichtet auf Einladung der RAG von Erfahrungen anderer Länder mit Grubenflutungen. Demnach sollen die Flutungen in aller Regel reibungslos verlaufen sein. Aufgrund dieser Erfahrungen sei heute zudem „die vorherrschende Lehrmeinung, dass die Wasserqualität des Grubenwassers besser wird, je höher es ansteigt“. Denn Giftstoffe wie PCB hafteten an Schwebstoffen an und würden dann absinken. Gleichwohl gab es laut Reker europaweit aber auch „Einzelfälle“, wo die Flutung zu massiven Problemen führte. Etwa im britischen Durham, wo durch die Flutung der Grundwasserleiter beeinträchtigt wurde. Doch man habe aus Fehlern gelernt, die Briten hielten nun immer eine Druckdifferenz von fünf bis zehn Metern zwischen Gruben- und Grundwasser aufrecht.

Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigte sich Drobniewski skeptisch, dass die RAG die Auflage des Landes zur PCB-Filterung des Grubenwassers aus dem ehemaligen Bergwerk Reden bis 2021 werde einhalten können. Denn selbst wenn die Filtertechnik ausgereift sei (was sie noch nicht ist), erforderten europaweite Ausschreibung und Bau der Anlage mehr Zeit. Für die RAG bleibe die Genehmigung der beantragten Teilflutung die Lösung. Denn dann würde in Reden ohnehin kein Grubenwasser mehr eingeleitet.

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