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Nachruf: FDP-Politiker Werner Klumpp im Alter von 92 Jahren gestorben

Nachruf : Ehemaliger saarländischer Wirtschaftsminister Klumpp gestorben

Werner Klumpp, einer der einflussreichsten saarländischen Politiker der vergangenen Jahrzehnte, ist tot. Er starb am Freitag mit 92 Jahren.

Werner Klumpp wurde am 12. November 1928 in Baiersbronn im Schwarzwald geboren. Als Luftwaffenhelfer war er noch im Kriegseinsatz, wurde schwer verwundet. Er studierte Rechtswissenschaften und Politische Wissenschaften in Tübingen. 1964 kam er als Assistent an die Universität des Saarlandes, wurde Richter am Sozialgericht und danach Verwaltungsrat im saarländischen Sozialministerium.

Von 1970 bis 1984 und dann noch einmal von 1998 bis 2000 war Klumpp FDP-Landeschef. Von 1975 bis 1982 gehörte er dem Landtag an. Die wichtigste Weichenstellung nahm der begnadete Strippenzieher 1977 vor. Obwohl im Bund eine Koalition aus SPD und FDP regierte, schmiedete er eine Bündnis mit den Christdemokraten unter Ministerpräsident Franz-Josef Röder – sehr zum Missfallen der Parteigranden um FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher. In diesem Kabinett wurde er Wirtschaftsminister und blieb es bis 1982. Für wenige Tage übte er nach Röders Tod im Sommer 1979 sogar das Amt des Ministerpräsidenten aus.

Als Wirtschaftsminister war Klumpp stark gefordert, denn es kriselte in den saarländischen Schlüsselindustrien Bergbau und Stahl. Die Kohlehalden türmten sich und einen Tag nach seinem Amtsantritt hatte das Neunkircher Eisenwerk Massenentlassungen angekündigt. Als Klumpp 1982 als Wirtschaftsminister aufhörte, hatte er die Voraussetzung dafür geschaffen, dass es mit Kohle und Stahl nicht immer nur bergab ging. Unter anderem hatte er den Bau eines hochmodernen Stahlwerks in Völklingen vorangetrieben, das heute noch das Herzstück von Saarstahl ist. Auch der Baubeginn des Kraftwerks Bexbach (1979) als zuverlässiger Abnehmer für Saar-Kohle fiel in Klumpps Ägide.

1982 wurde Klumpp Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Saar, der heute nur noch Sparkassenverband heißt. Er blieb es bis 1997 – vier Jahre länger als geplant. Auch hier warteten einige Baustellen auf ihn. Er merkte schnell, dass die Landesbank Saar (Saar-LB) aus eigener Kraft auf Dauer nicht lebensfähig war. Sein Traum war es, aus der Saar-LB und den anderen Sparkassen ein einziges Landesinstitut zu formen. Doch der Plan war zu kühn. Zu viele Vorstände bangten um ihre Posten. Als Alternative bahnte er ein Bündnis mit der Bayern-LB an. Diese stieg 1993 mit 25,1 Prozent bei der Landesbank ein. Zuvor hatte er dem Land schon die Saarland-Versicherungen abgeluchst und mit der Versicherungskammer für sie ebenfalls einen bayerischen Partner gefunden. Im Gegenzug beteiligte er das Saarland 1989 mit 23,5 Prozent an der Saar-LB, die bis dahin eine 100-prozentige Tochter des Verbands war. Auch die Gründung des Saarbrücker Kreditkarten-Dienstleisters Pluscard, die er gegen den Widerstand vieler deutscher Sparkassen durchsetzte, ist Klumpps Verdienst.

Der Liberale gehörte darüber hinaus lange Jahre dem Aufsichtsrat der Verlagsgruppe Saarbrücker Zeitung an. Er vertrat dort die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar, über die drei Stiftungen Anteile an der SZ halten. Auch in diesem Gremium war Klumpps Rat stets gefragt.