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Mittelfinger gegen Corona-Partys: Saarland wirbt für Ausgangsbeschränkung

Mittelfinger gegen Corona-Partys : Saarland wirbt mit Kampagne für Ausgangsbeschränkung

Damit in der Corona-Krise weniger Menschen gegen die Ausgangsbeschränkung verstoßen, setzt das Saarland in einer Kampagne auf eine drastische Bildsprache. Doch auch am Wochenende registriert die Polizei etliche Verstöße gegen die verschärften Regeln.

Wer anderen den Mittelfinger zeigt, der kann sich strafbar machen. Nun setzt die Landesregierung im Saarland auf den Anblick der bewährten Beleidigung – als Teil einer Kampagne, um die Bevölkerung für den Kampf gegen das Coronavirus zu gewinnen. „Wir Saarländer sind gegen Corona-Partys!“ Das steht neben dem Foto eines formschön abgebildeten Mittelfingers. Mit dem Appell: „Das Saarland zeigt Vernunft: daheim bleiben, zusammenhalten.“

Um die deutliche Botschaft zu unterstreichen, ist der Finger mit einem grimmigen Smiley bemalt. Das Bild steht auf der Homepage, die das Land zum Coronavirus eingerichtet hat, zum Download bereit. Bürger sollen es in sozialen Netzwerken teilen, der Mittelfinger soll viral gehen, wie man vor der Corona-Krise unbekümmert sagte. Die Corona-Sonderseite der Staatskanzlei hatte in den vergangenen zwei Wochen bereits eine halbe Million Besucher.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte „Corona-Partys“ wiederholt geächtet. In einer Videobotschaft warnte er am Samstag auch davor, die geltenden Regeln zu lockern. Weil es gegen die Ausgangsbeschränkung im Saarland fortwährend Verstöße gibt, hat die Regierung die Regeln verschärft. Mit dem Mittelfinger legte man am Samstag nach, während die Polizei bei frühlingshaftem Wetter überall im Land die Allgemeinverfügung durchsetzen musste.

Innerhalb von 48 Stunden registrierte man 57 Strafanzeigen, wie ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen erklärte. Er sagte: „Viele haben es noch immer nicht verstanden.“ Zwischen Samstagabend und dem heutigen Morgen zählten die Behörden insgesamt 76 Verstöße gegen die Allgemeinverfügung. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Tage fort. Die Beamten lösten Gartenpartys und Treffen an öffentlichen Plätzen auf. Zugleich wies der Sprecher auf eine „niedrigschwellige“ Meldebereitschaft in der Bevölkerung hin.

Den größten Polizeieinsatz gab es am Staden in Saarbrücken, wo am Samstagnachmittag zwischen 150 und 200 Menschen in der Sonne saßen (wir berichteten). „Sowohl Jugendliche als auch ältere Mitbürger hielten sich im Bereich des Ulanen-Pavillons und den Spielplätzen am Saarufer auf“, heißt es in einem Polizeibericht. „Es entstand der Eindruck, dass es keinerlei Beschränkungen gäbe.“ Den Aufforderungen der Polizei, auseinanderzugehen und den Ort zu verlassen, sei „kooperativ Folge geleistet“ worden, erklärte die Polizei in Saarbrücken: „Über Sinn und Zweck zeigten sich aber viele der Betroffenen völlig ahnungslos.“

Die im Saarland geltende Allgemeinverfügung sieht in ihrer seit Donnerstag geltenden Fassung eine Ausgangsbeschränkung und ein weitreichendes Kontaktverbot vor. Das eigene Haus darf nur verlassen, wer „triftige Gründe“ nachweisen kann. Treffen mit anderen Menschen, seien es auch Familienmitglieder, die nicht im eigenen Haushalt leben, Freunde oder Bekannte, sind mit wenigen Ausnahmen untersagt. Sport und Spaziergänge sind erlaubt, allerdings nur alleine, mit Menschen, die im eigenen Haushalt leben, oder in Begleitung von höchstens einer weiteren Person, die nicht zum eigenen Haushalt gehört.