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Mit 94,6 Prozent der Stimmen: Stephan Toscani zum neuen Chef der Saar-CDU gewählt

Landesparteitag in Eppelborn : Mit 94,6 Prozent der Stimmen: Stephan Toscani zum neuen Chef der Saar-CDU gewählt

Stephan Toscani ist neuer Landeschef der Saar-CDU. Auf dem Landesparteitag in Eppelborn ist der 55-Jährige am Samstag mit großer Mehrheit in das Spitzenamt gewählt worden.

Stephan Toscani tritt die Nachfolge des abgewählten Ministerpräsidenten Tobias Hans an. Nach der historischen Schlappe bei der Landtagswahl soll der frühere Landtagspräsident und Ex-Minister die langjährige Regierungspartei erneuern. Er kündigte eine Parteireform und ein Grundsatzprogramm an. Ein Neuanfang könne nicht nur bedeuten, Personal auszutauschen, sagte Toscani in seiner 38-minütigen und mit langem Applaus bedachten Bewerbungsrede. „Wir brauchen vor allem eine kulturelle Veränderung in unserer Partei.“ Er wolle, dass die CDU Saar eine „echte Mitmach-Union“ werde.

Neuer CDU-Chef Toscani mit 94,6 Prozent gewählt

Toscani erhielt 94,6 Prozent der Delegiertenstimmen, die Enthaltungen nicht eingerechnet. Das bedeutet, dass 331 der 357 für den den neuen CDU-Chef stimmten, 19 gegen ihn. Gegenkandidaten gab es nicht. Zuvor hatte sich auch der CDU-Landesvorstand für ihn als Kandidaten ausgesprochen. Toscani gehörte bisher als einer von fünf Stellvertretern des Landesvorsitzenden Hans der Parteiführung im Saarland an.

Als Stellvertreter des neuen Vorsitzenden wählten die Delegierten den Ex-Justizstaatssekretär Roland Theis, die Landrätin von Merzig-Wadern, Daniela Schlegel-Friedrich, den Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt, die Bundestagsabgeordnete Nadine Schön sowie Silke Maringer aus dem Kreisvorstand der CDU in Saarlouis. Theis, Kreisvorsitzender in Neunkirchen, erreichte als Landes-Vize hundert Prozent der gültigen Stimmen. Dagegen erzielte Schön bei diesem Wahlgang das schwächste Ergebnis.

Die Saar-CDU hatte bei den Wahlen für das Landesparlament am 27. März dramatische Stimmenverluste hinnehmen müssen. Sie erzielte mit 28,5 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis. Während die SPD nun eine Alleinregierung stellt, befindet sich die Union erstmals seit 1999 wieder in der Opposition. In den vergangenen Jahren hatte es im Saarland eine große Koalition unter Führung der CDU gegeben.

„Der Gestaltungswille unserer CDU Saar war nicht mehr so erkennbar“, sagte Toscani selbstkritisch. „Regieren ist kein Selbstzweck.“ Die Landtagswahl habe für „klare Verhältnisse“ gesorgt. Man nehme die Herausforderung an, nun Opposition zu sein, erklärte der neue Parteichef. „Wir werden keine Fundamentalopposition sein, sondern eine konstruktive Opposition.“ Die CDU solle von den Saarländern die „ganze Zeit als echte Regierungsalternative“ wahrgenommen werden. Der Unionspolitiker sparte nicht mit Kritik an der SPD im Land, aber vor allem im Bund. „Deutschland hat die falsche Bundesregierung“, sagte er.

„Mehr Mannschaftsspiel“: CDU-Spitze will Basis stärker beteiligen

Die Wahlniederlage im Saarland war in den vergangenen Wochen in sieben Basiskonferenzen aufgearbeitet worden. Auch in Zukunft will die CDU auf eine starke Beteiligung ihrer Mitglieder setzen. Das geht aus einem „Zukunftspapier“ hervor, das der amtierende Landesvorstand als Antrag auf dem Parteitag einbringen will. Darin heißt es unter anderem, die CDU brauche „dringend mehr Breite und mehr Mannschaftsspiel und weniger Konzentration nur auf die Spitze“.

Ex-Ministerpräsident Tobias Hans führte Saar-CDU seit 2018

Ihren Wahlkampf hatte die CDU völlig auf Hans als Spitzenkandidat zugeschnitten. Der ehemalige Regierungschef hatte 2018 den CDU-Vorsitz im Saarland von Annegret Kramp-Karrenbauer übernommen. Erst im November vergangenen Jahres war der 44-Jährige bei einem Parteitag in Saarbrücken mit 96,2 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt worden.