Missbrauchsskandal: „Schlagabtausch“ im U-Ausschuss

Opferanwältin als Zeugin : Missbrauchsskandal: „Schlagabtausch“ im U-Ausschuss

Im Untersuchungsausschuss des Landtages zu mutmaßlichen Missbrauchsfällen am Homburger Uni-Klinikum (UKS) hat die Opferanwältin Claudia Willger ausgesagt. Die 58-Jährige vertritt die Interessen von zwölf Kindern, die in einer Spezialambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums in Behandlung waren.

Einem verstorbenen Assistenzarzt werden Übergriffe auf minderjährige Patienten vorgeworfen.

Je länger die Befragung von Willger am Montag dauerte, desto mehr schien die Opferanwältin in ein Kreuzverhör zu geraten. Denn im Ausschuss lassen sich auch der frühere Klinikchef Alexander von Gontard, der kaufmännische Vorstand und die Justiziarin des UKS sowie eine Oberärztin durch Rechtsanwälte vertreten. Alle vier gelten während der Aufklärungsarbeit des Parlaments als sogenannte Betroffene. Willger reagierte mit Unverständnis auf die eindringlichen Nachfragen ihrer Kollegen. Das vorhandene Misstrauen werde verstärkt, sagte sie.

Die Saarbrücker Rechtsanwältin Claudia Willger vertritt die Opferfamilien. Foto: dpa/Katja Sponholz

Man habe ganz klar gesehen, dass die Fronten stark verhärtet seien, sagte Jutta Schmitt-Lang (CDU). Das könne in der Aufklärung problematisch werden, prognostizierte sie: „Unser Auftrag ist, dass wir Fragen stellen und die richtigen Zeugen einladen.“ Die Verantwortlichkeiten könnten nicht hin- und hergeschoben werden, sagte sie. „Da müssen wir genau hinsehen.“ Nur: Können das die Parlamentarier im Moment?

Jürgen Renner (SPD) sprach von einem „Schlagabtausch“ zwischen der Zeugin und den Anwälten. Und von einer sich ausbreitenden „Ratlosigkeit“ unter den Abgeordneten, die mit zunehmender Dauer zu bloßen Zuhörern wurden. Denn: Ihnen fehlen noch immer die nötigen Unterlagen. Zwar hörte Renner im Ausschuss keine Neuigkeiten. Im Detail können die Parlamentarier jedoch nicht mitreden. „Wir brauchen dringend die Akten“, sagte er.

Ähnlich äußerte sich Dennis Lander (Linke). Ohne die kompletten Unterlagen sei es sehr schwer gewesen, allem zu folgen – gerade zwischen den Juristen, beklagte der Oppositionspolitiker. Seine Fraktion denkt nun über eine Frist an die Staatskanzlei und die involvierten Behörden nach. Außerdem will man den Gang zum Verfassungsgerichtshof prüfen. Dagegen rechnet CDU-Politikerin Schmitt-Lang „relativ zügig“ mit Unterlagen. „Dann ist es unsere Arbeit, uns durch die Akten durchzufressen“, sagte sie.

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