Missbrauchsskandal: Saar-Uni: Keine Hinweise auf Missbrauch

Homburger Missbrauchsskandel : Saar-Uni: Keine Hinweise auf Missbrauch durch Homburger Arzt

Im Missbrauchsskandal um das Uni-Klinikum sichtete die Hochschule umfangreiche Unterlagen zum verdächtigten Assistenzarzt Matthias S.

Im Missbrauchsskandal um das Homburger Uni-Klinikum hat die Universität des Saarlandes bisher „keine Hinweise“ auf mögliche Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch einen früheren Assistenzarzt gefunden. Das hat die Hochschule am Dienstag mitgeteilt. Zugleich brachte sie ihr Bedauern zum Ausdruck, dass ein Missbrauch „nicht gänzlich ausgeschlossen“ werden könne. Möglichen Betroffenen bot die Universität ihre Unterstützung an.

Die Saar-Uni hatte im Sommer eine sogenannte „Task Force“ unter Leitung von Vizepräsident Roland Rolles eingesetzt. Sie wertete 24 Aktenordner mit Dokumenten aus der Studien- und Promotionszeit von Matthias S. aus. Denn der unter Missbrauchsverdacht stehende Mediziner studierte von 2003 bis 2009 an der Medizinischen Fakultät in Homburg. Danach war S. von 2010 bis 2014 als Assistenarzt an einer Spezialambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsmedizin beschäftigt – bis ihm fristlos gekündigt wurde. Während seiner Anstellung arbeitete S. an einer Studie, an der 104 Minderjährige teilnahmen. Daraus sollte die Doktorarbeit des Mannes entstehen, der 2016 im Alter von 36 Jahren starb.

Gegen ihn besteht der Verdacht, als Arzt mehrere Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Deshalb überprüfte die universitäre„Task Force“ alle Unterlagen, die der Universität aus seiner Studien- und Promotionszeit vorliegen. Auch deshalb, weil S. als Medizinstudent auch studentische Hilfskraft war, von 2006 bis 2010 eine Forschungsstudie der Kinder- und Jugendpsychiatrie begleitete. Nach Angaben der Saar-Uni hatten die Forschungsarbeiten, an denen S. zwischen 2006 und 2014 beteiligt war, insgesamt 185 Teilnehmer – die heute „überwiegend im Erwachsenenalter“ sein dürften, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Studien umfassten „medizinische Untersuchungen“ wie die körperliche Begutachtung von Patienten, außerdem Ultraschall- und Uroflow-untersuchungen, bei denen der Harnstrahl gemessen wird. „Genaue Rückschlüsse darauf, welche Untersuchungen an welchen Personen S. selbst durchgeführt hat, lässt die Aktenlage nicht zu“, teilt die Universität mit. Die Aufklärungsarbeit will die Hochschule fortsetzen, mit der Staatskanzlei als Aufsichtsbehörde stehe man in engem Austausch, hieß es.

Außerdem habe Uni-Vize Rolles dem Untersuchungsausschuss des Landtages eine „uneingeschränkte Auskunftsbereitschaft“ signalisiert. Am vergangenen Montag hatten die Abgeordneten mit der Opferanwältin Claudia Willger eine erste Zeugin befragt. Im Anschluss beklagten die Parlamentarier, dass ihnen seitens der Behörden noch keine Akten zur Verfügung gestellt worden seien.

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