Ministerpräsident Tobias Hans vom bundesweiten CDU-Resultat enttäuscht

Durchwachsene Stimmung bei der CDU : CDU zwischen Freude und Enttäuschung

Die Partei hofft, dass Roland Theis doch noch als Abgeordneter aus dem Saarland ins EU-Parlament einziehen kann.

Uwe Conradt ist mit sich im Reinen. „Wir haben in diesem Wahlkampf alles gegeben“, sagt der CDU-Kandidat für den Oberbürgermeister-Sessel in Saarbrücken. „Falls es nicht reichen sollte, müssen wir uns keine Vorwürfe machen“, ist der 42-Jährige überzeugt – und die Umstehenden nicken zustimmend. Conradt, der es  in die Stichwahl gegen Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) schafft, trifft sich mit seinen Getreuen am St. Johanner Markt, seit jeher die gute Stube der Landeshauptstadt.

Der Chef des CDU-Kreisverbands, Finanzminister Peter Strobel, bearbeitet unterdessen mit großer Inbrunst Smartphone und Notebook, um stets auf dem neuesten Stand zu sein. „Wenn die CDU an der Saar besser abschneidet als im Bund, kann unser Kandidat Roland Theis es ins Europaparlament schaffen“, meint er. Theis selbst schwankt ebenfalls zwischen Frust und Frohlocken. Er weiß, dass die Christdemokraten an der Saar im Durchschnitt mehr Stimmen geholt haben als im Bund. „Wir konnten dank unseres engagierten Wahlkampfs in vielen Städten und Gemeinden zulegen.“

Enttäuscht vom bundesweiten CDU-Resultat ist Ministerpräsident Tobias Hans, der auf einer Kundgebung in Merzig sprach. „Obwohl es der Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer gelungen ist, die Geschlossenheit der Union herbeizuführen, sind noch viele Menschen unzufrieden mit unserer Politik. Das starke Ergebnis der Grünen zeigt, dass die Menschen klare Positionen erwarten“, lässt er wissen. Die CDU „muss mehr Mut an den Tag legen, gerade wenn es um den Klimaschutz geht“.

Zurück nach Saarbrücken: Seit September vergangenen Jahres hat OB-Kandidat Conradt, der im Brotberuf Direktor der Landesmedienanstalt Saar (LMS) ist, „keine Minute Freizeit mehr gehabt“. Zeitraubend seien vor allem die von ihm angestoßenen Zukunftswerkstätten in den Saarbrücker Stadtteilen gewesen – mehr als 20 an der Zahl. Am Schluss wurde auf bunten Zetteln verewigt, wo den einzelnen Leuten der Schuh drückt. „Wohnraum für alte Menschen“, gegen „wildes Parken“ oder ein „beleuchteter Leinpfad“ entlang der Saar waren einige der Vorschläge, die in St. Arnual an die Wand gepinnt wurden. Das ganze wurde später in einem neuen Leitbild“ niedergeschrieben, das mit „Zeit für Saarbrücken – Zeit für einen neuen OB“ überschrieben ist – 33 Seiten dick.

Im Rathaus Riegelsberg fieberte unterdessen Ralph Schmidt dem Wahlergebnis entgegen. Der CDU-Mann ist gegen Peter Gillo (SPD) angetreten, um neuer Direktor des Regionalverbands Saarbrücken zu werden. „Dafür, dass viele Menschen vor wenigen Monaten mit meiner Person noch nichts anfangen konnten, bin ich hochzufrieden“, sagt er. Am späten Abend lag er etwa 25 Prozentpunkte hinter Gillo. Trotzdem sagt er: „Ich denke, dass ich viele Menschen überzeugen konnte.

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