Markus Tressel legt einen Plan vor, um kleine Kommumen im Saarland zu retten.

Zehn-Punkte-Plan : So wollen die Grünen die Saar-Dörfer retten

Landeschef Markus Tressel antwortet mit einem Zehn-Punkte-Papier auf Digitalisierungspläne von Ministerpräsident Hans.

Der saarländische Bundestagsabgeordnete und Sprecher für ländliche Entwicklung und Tourismuspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion Markus Tressel hat einen Plan erarbeitet, mit dem Dörfern im Saarland eine Zukunft geboten werden soll. Damit reagiert Tressel auf das SZ-Interview mit Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) vom 7. Mai. Hans will die Digitalisierung im Saarland vorantreiben und damit ländliche Gebiete so attraktiv gestalten, dass für Familien kein Grund mehr besteht, in die Stadt zu ziehen. Dazu gehören laut Hans ein veränderter Einzelhandel, Telemedizin und die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten. Markus Tressel legt in seinem Papier für Dörfer mit Zukunft den Schwerpunkt auf zehn Aspekte.

Flächenpolitik
In der Novellierung des Landesentwicklungsplans müsse unbedingt eine feste Zielmarke für den Flächenverbrauch berücksichtigt werden. Denn Neubaugebiete und Handelsansiedlungen zerstörten Ortskerne.

Markus Tressel, Bundestagsabgeordneter und Landeschef der Grünen. Foto: BeckerBredel

Möbilität
Eng getaktet Busverbindungen, Anrufsammeltaxis und ein schnellerer Radwegebau entlang von Landstraßen könnten das hohe Autoaufkommen und damit Lärm und Erschütterungen in Dörfern verringern.

Einzelhandel
Statt großer Einkaufsmärkte am Rand seien Nahversorger unbedingt notwendig, die zu Fuß erreichbar sind. Außerdem sollen sich die Gemeinden durch ein interkommunales Einzelhandelskonzept künftig keine Konkurrenz machen.

Öffentliche Einrichtungen
Dorfgemeinschaftshäuser, Jugendclubs, Sportanlagen, Verwaltungsstellen, Schulen und Feuerwehren schaffen laut Tressel „Attraktivität und Identität“. Solche öffentliche Einrichtungen müssten erhalten bleiben.

Internet
Der Breitbandausbau im Saarland verlaufe nach Tressels Ansicht zu schleppend und ungleichmäßig. 50 Mbit/s seien zu wenig. Er fordert mindestens 100 Mbit/s, die über einen klaren Ausbauplan bereitgestellt werden.

Wirtschaft
Mehr Gastronomie, Geschäfte und eine stärkere Gesundheitsversorgung schaffe laut Tressel auch mehr Arbeitsplätze. Dazu sollen vor allem brachliegende Gewerbeflächen und leerstehende Gewerberäume zu Verfügung gestellt werden.

Leerstandkataster
Alle Kommunen sollen verpflichtend ein Leerstands- und Baulückenkataster anlegen. Damit könnten bessere Nutzungskonzepte entwickelt und ein geordneter Rückbau gefördert werden.

Jugend
Junge Menschen, die aus Gründen der Bildung oder Karriere aus dem Saarland weggezogen sind, sollen durch eine „Agentur für Rückkehrer“ und gezielten Bleibeperspektiven für das Leben im ländlichen Saarland begeistert werden.

Gesundheitsversorgung

Mit Telemedizin allein, wie von Ministerpräsident Hans angesprochen, sei der Ärztemangel laut Tressel nicht zu lösen. Der Arztberuf müsse entlastet und andere Gesundheitsberufe müssten gleichzeitig gestärkt werden.

Regionale Daseinsvorsorge

In einer „Gemeinschaftsaufgabe regionale Daseinsvorsorge“ könnten Bund und Länder ihre Verantwortung teilen, fordert Tressel, um für gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Kommunen und Regionen zu sorgen.

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