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Marienhaus weist Vorwürfe zu St. Wendeler Klinik zurück

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Verdi-Kritik : Marienhaus weist Vorwürfe zu St. Wendeler Klinik zurück

Das Saar-Gesundheitsministerium hat seine Krankenhausaufsicht eingeschaltet, um die Betreuungs- und Pflegesituation im Krankenhaus St. Wendel zu überprüfen. Der Träger Marienhaus sieht keine Probleme und liefert eine Erklärung dafür, dass der Stellenschlüssel verändert worden ist.

Wie Susanne Jung, Sprecherin von Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU), der SZ auf Anfrage mitteilte, soll dabei „Anschuldigungen von Verdi“ nachgegangen werden. Saar-Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Quetting hatte zuvor den Krankenhausträger der St. Wendeler Klinik, die katholische Marienhaus-Gruppe im rheinland-pfälzischen Waldbreitbach, scharf kritisiert.

Als „lebensgefährlich, unverantwortlich und zugleich gesundheitsgefährdend“ bezeichnete Quetting eine angebliche Anweisung des Generalbevollmächtigen der Marienhaus-Gruppe, Thomas Wolfram, die im Marienhaus-Krankenhaus St. Wendel „alle pflegerischen Standards außer Kraft“ setze. Nach Angaben von Beschäftigten der Klinik solle das Personal dort, obwohl keine Corona-Sonderlage in St. Wendel vorliege, so ausgedünnt werden, dass auf vier Intensivpatienten lediglich eine Pflegekraft, auf einer Normalstation eine Pflegekraft auf 15 Patienten und im Nachtdienst prinzipiell nur eine Pflegekraft pro Einheit zur Verfügung stehen würden, berichtete Quetting. Die Auszubildenden sollten ebenfalls voll eingesetzt werden, so der Gewerkschaftssekretär. „Normalerweise werden auf einer Intensivstation zwei Patienten von einer Pflegekraft betreut“, sagte Quetting der SZ. Und nachts müsste sich jetzt eine Pflegekraft um teilweise mehr als 30 Patienten kümmern.

Ein Marienhaus-Sprecher bestätigte auf SZ-Anfrage eine Änderung des Stellenschlüssels, versicherte aber, alle Patienten bekämen jederzeit die Behandlung, die medizinisch notwendig und sinnvoll sei. Seit Mitte März habe man auch das auf Wunsch der Politik aus Bund und Land keine planbaren Eingriffe und Behandlungen mehr vorgenommen. Gleichzeitig habe man feststellen müssen, dass Patienten sogar in Notfällen und bei anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus Angst vor dem Corona-Virus darauf verzichtet hätten, ins Krankenhaus zu gehen.

„So ist zum einen die Belegung in den Kliniken dramatisch zurückgegangen und liegt teilweise deutlich unter 50 Prozent, zum anderen handelt es sich bei den Patienten meist auch um leichtere Fälle. Das ist der Grund, warum wir den Stellenschlüssel angepasst haben.“ Stand Montag seien in den drei Standorten des Klinikverbundes Saar-Ost (St. Wendel, Ottweiler, Kohlhof) gerade einmal sechs Corona-Patienten behandelt worden, keiner von ihnen intensivmedizinisch.