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Linke im Saarland zweifelt an amtlicher Zahl der Corona-Todesfälle

Zweifel an amtlicher Zahl : Linke im Saar-Landtag fordert Obduktion von Corona-Toten

Viele Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben und sterben, würden auch ohne die Infektion sterben – weil sie massive Vorerkrankungen haben. Das behauptet ein Rechtsmediziner. Die Linksfraktion im Saarland fordert daher, bei den Toten, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde, die genaue Todesursache festzustellen.

Die vom Gesundheitsministerium täglich im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldete Zahl von bestätigten Todesfällen besitzt aus Sicht der Linksfraktion keinerlei Aussagekraft. Denn es sei überhaupt nicht klar, ob sie an dem Virus gestorben seien.

Die Linksfraktion verweist auf die Einschätzung von Professor Klaus Püschel, Direktor des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin. Dieser hatte gesagt, die von ihm untersuchten Corona-Toten hätten alle derart schwere Vorerkrankungen gehabt, dass sie auch ohne den Virus „im Verlauf dieses Jahres gestorben wären“.

Der rechtspolitische Sprecher der Linksfraktion, Dennis Lander, sagte: „Es wäre notwendig, dass im Saarland wie in Hamburg bei den Toten, bei denen Coronaviren nachgewiesen wurden, die genaue Todesursache untersucht und festgestellt wird. So kann man eine sichere Datengrundlage darüber erhalten, wer wirklich an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben ist, und wer anderen Vorerkrankungen erlegen ist.“

Die Frage, was die amtlich gemeldeten Corona-Todesfälle aussagen, hatte zuletzt auch der Regionalverband Saarbrücken aufgeworfen. Dort sind seit Ausbruch des Virus allein in einer Püttlinger Seniorenresidenz 16 Menschen gestorben, die mit dem Virus infiziert waren.

Gerade bei der Gruppe der Hochaltrigen bleibe mit teilweise zahlreichen und erheblichen Vorerkrankungen die Frage, ob diese ursächlich an Covid-19 gestorben seien oder ob sie zwar den Coronavirus im Körper hatten, aber an anderen Leiden gestorben seien, heißt es in einer Erklärung.

Die SZ hatte kürzlich auch den Chefarzt im Völklinger SHG-Klinikum Professor Harald Schäfer, auf die Problematik angesprochen. Schäfer, Spezialist für Lungenkrankheiten, behandelt selbst Corona-Patienten. Er sagte, die meisten Todesfälle träten bei älteren Patienten mit Begleiterkrankungen auf. „Solange man dies allerdings nicht genau, insbesondere die Todesfälle bei Jüngeren, auch mit Obduktionen dann genau untersucht, wird man keine Klarheit haben.“

Er äußerte zugleich eine Vermutung: Die Covid-19-Erkrankung führe offensichtlich zu einer Aktivierung des Gerinnungssystems mit dem Risiko von Lungenembolien. Er gehe davon aus, dass ein gewisser Anteil der Todesfälle auf eine solche Komplikation zurückzuführen sei. In seiner Klinik gebe es daher vorsorglich gerinnungshemmende Mittel.

Der sozialpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Magnus Jung, kritisierte den Vorstoß der Linksfraktion: „Es ist jetzt wichtiger, Maßnahmen zu treffen, die Leben retten, anstatt Tote zu untersuchen. Ohne Zweifel erhöht das Virus die Sterblichkeit älterer Menschen. Dies spitzfindig in Zweifel zu ziehen, ist verantwortungslos.“