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Lehrerverbände im Saarland und GEW kritisieren Quarantäneregelung an Schulen

Quarantäne : Lehrergewerkschaft „entsetzt“ über neue Corona-Regeln an Saar-Schulen

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV), der Verband Reale Bildung (VRB) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisieren die neuen Quarantäneregelung für Schulen im Saarland.

Demnach muss nicht mehr die ganz Klasse in Quarantäne, wenn ein Schüler infiziert ist. „In den Schulen geht es derzeit doch nicht mehr um pädagogische Konzepte, Lerninhalte oder erzieherisches Handeln. Nein! Einziges Ziel ist es, möglichst wenige Kinder und Lehrer in Quarantäne zu schicken, um so den Schulbetrieb, komme was wolle, aufrecht zu erhalten“, sagt SLLV-Chefin Lisa Brausch. „Wer soll denn nun entscheiden, wann, wo und wie lange eine Maske getragen wurde?“ Als Unding bezeichnet Brausch die unterschiedliche Herangehensweise der Gesundheitsämter bei den Quarantäneregelungen. Es sei zu erwarten, dass Eltern Schulleitungen und Lehrkräfte verantwortlich machten, wenn an einem Standort ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden und an anderen nicht.

VRB-Landeschefin Karen Claassen kritisiert: „Die Einführung der neuen Quarantäneregeln ist gleichbedeutend mit einer Kapitulation der Politik in Sachen Gesundheitsschutz an den Schulen.“ Dass das Einhalten der Hygieneregeln und das Tragen der Masken dokumentiert werden müsse, gehöre nicht zum Aufgabengebiet der ohnehin überlasteten Lehrkräfte.

Die GEW ist „entsetzt“, mit welchen Mitteln die Landesregierung versuche, den Präsenzunterricht an Schulen auf Kosten des Gesundheitsschutzes am Laufen zu halten. „Die Maßnahme verkennt die reale Situation vor Ort in den Klassen“, sagt Max Hewer, stellvertretender GEW-Landesvorsitzender. Durch den Verzicht auf die Abstandsregel in Klassenräumen könne nicht ausgeschlossen werden, dass trotz Tragen einer Alltagsmaske und des Lüftens eine Ansteckung stattgefunden hat.

Der Saarländische Philologenverband lehnt die am letzten Dienstag angekündigten neuen Regeln zur Quarantäne ebenfalls ab. „Die Regeln gefährden durch den lascheren Umgang mit der Quarantäne die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer und verursachen dadurch, dass sich mehr einzelne Schüler in Quarantäne befinden, zusätzliche und weit über das übliche Maß hinausgehende Mehrarbeit“, betont der SPhV-Vorsitzende Marcus Hahn.

Er erinnert an das ursprüngliche Versprechen der Bildungsministerin, dass der Gesundheitsschutz Priorität habe und danach dann alles zu tun sei, um pädagogisch sinnvoll zu handeln. „Mit den neuen Regeln für Quarantäne scheren Bildungs- und Gesundheitsministerin aus dem Konsens aus, der bisher die Grundlage für die kritisch-konstruktive Zusammenarbeit von Verbänden und Dienstherrn war. Deshalb lehnen wir die Regeln ab!“, so Marcus Hahn weiter.

Stattdessen fordere der Verband vorrangig eine klare und praktikable Rechtsgrundlage für die Beschulung von vulnerablen Schülern und die Bereitstellung entsprechender Ressourcen. Eine schulübergreifende Zusammenführung der dauerhaft zuhause bleibenden Schüler z.B. im Bereich des Haus- und Krankenhausunterrichts sei organisatorisch, technisch und pädagogisch leicht machbar und entlaste die Lehrkräfte. Ferner sei auch eine klare und praktikable Rechtsgrundlage für die Beschulung von Schülern in Quarantäne (inklusive des entsprechenden Belastungsausgleichs für die Lehrkräfte) unabdingbar.

Außerdem müsse ermöglicht werden, dass es einerseits ein Entscheidungsrecht für die Schulen gebe, an ihrem Standort – falls nötig – FFP2-Masken einzuführen. Dazu gehöre selbstverständlich auch, dass z.B. durch Kurzstunden das Tragen der Maske auch arbeitsrechtlich möglich sei. Außerdem müsse der Dienstherr die Masken selbstverständlich auch zur Verfügung stellen.

Andererseits müsse den Schulen ebenfalls die Möglichkeit gegeben werden, an ihrem Standort – falls nötig – für bestimmte Lerngruppen in die wochenweise abwechselnde Beschulung („Hybridunterricht“) übergehen zu dürfen.

„Wir im SPhV sind uns sicher: Durch diese drei relativ einfachen und effizienten Maßnahmen ist ein sicheres und planvolles unterrichtliches Handeln an Gymnasien möglich; die Mehrbelastung durch die aktuelle Situation wird durch diese Maßnahmen weitestgehend begrenzt“, resümiert Marcus Hahn.