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Lehrer- und Elternvertreter sowie Gewerkschaften fordern konkretere Pläne.

Interessenvertreter und Gewerkschaften : Lob und Kritik für Schulöffnung

Lehrer- und Elternvertreter sowie Gewerkschaften im Saarland fordern konkretere Pläne.

Die Entscheidung, die Schulen schrittweise für Abschlussklassen erst nach dem 4. Mai wieder zu öffnen, stößt bei Interessenvertretern im Saarland auf geteiltes Echo. „Wir begrüßen, dass die Mahnungen der Lehrerverbände ernst genommen wurden“, sagt Lisa Brausch, Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. Die Schulen bräuchten aber klare Vorgaben, wie Sicherheits- und Hygienekonzepte umgesetzt werden können. Zudem bedürfe es eines genauen Konzepts zur Schülerbeförderung. „Schule darf an dieser Stelle nicht zum Versuchslabor werden“, sagt Brausch. Die Vorsitzende rät derweil dringend davon ab, auch Grundschüler wieder zeitnah zu beschulen. „Da deren Verhalten häufig noch kindlich unkontrolliert ist.“

Die Ministerpräsidentenkonferenz habe eine „gute Weichenstellung zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs“ getroffen, teilt auch der Landesverband Reale Bildung mit. Die Entscheidung sei „plausibel“. Sie gebe den Schulen „Raum, aufwändige Vorbereitungs- und Planungsarbeiten zu treffen“, sagt die Landesvorsitzende Karen Claassen. Trotzdem müssten die Richtlinien konkretisiert werden. Vor allem, weil die einzelnen Schulstandorte mit Blick auf Klassenstärke und Raumgröße sehr unterschiedlich seien. Nach Ansicht des Verbandes müssten auch die hygienischen Anforderungen klar definiert werden. Desinfektionsmittel sollten bereits an den Eingangstüren zur Verfügung stehen. „Die Verwendung eines Mund-Nasen-Schutzes sollte nicht nur empfohlen, sondern bei Aufenthalt in den geschlossenen Räumen des Schulgebäudes vorgeschrieben werden“, fordert der Verband.

„Dies war ja eine unserer Grundforderungen an die Politik“, kommentiert Katja Oltmanns, Vorsitzender Landeselternvertretung Gymnasien, die schrittweise Öffnung. „Jetzt besteht für die Schüler und Lehrer Planungssicherheit. Nun müsse jedoch zwingend über die Inhalte des Abiturs gesprochen werden. „Denn während an einigen Schulen das ‚Online-Schooling‘ hervorragend klappt, sieht es an anderen richtig schlecht aus.“ Ein Problem sei auch die noch nicht „abschließend geklärten Leistungsbewertungen während des ‚Lockdowns‘“.

Für die Landeselterninitiative Bildung stellt sich die Frage, ob die Pläne in die „richtige Richtung gehen“, sagt deren Sprecher Bernhard Strube der SZ. Es gebe noch viele offene Fragen. Sind etwa die Schutzmaßnahmen tatsächlich an allen Schulen gewährleistet? „Und wird das auch von den Behörden regelmäßig kontrolliert?“, fragt Strube. Zudem müsse ein „Lernen ohne Leistungsdruck“ gewährleistet werden. Diesen Freitag will die Elterninitiative mit der Landesschülervertretung in einer Telefonkonferenz ihre Fragen an das Ministerium herantragen. Die Schülervertretung selbst wollte sich noch nicht zu den Plänen der Regierung äußern. Sie kam erst am späten Abend zu einer Sitzung zusammen.

Birgit Jenni, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Saarland, hält das Datum 4. Mai hingegen für zu früh. Natürlich müssten die Schulen nach und nach wieder öffnen und nicht erst nach den Sommerferien. Aber der „Gesundheitsschutz der Schüler, Lehrer, Eltern, der Hausmeister und Sekretäre muss im Mittelpunkt stehen“, sagt sie der SZ. Die Schulen bräuchten eine gewisse Vorlaufzeit, um die Vorgaben umzusetzen. Dass sie das können, daran hegt Jenni keinen Zweifel. Sie glaubt aber nicht, dass die kommenden zwei Wochen dafür ausreichen werden.

Als eine „enorme organisatorische und pädagogische Herausforderung“ bezeichnet der Saarländische Philologenverband den Plan der Landesregierung. Ohne gründliche Vorbereitung drohe Chaos. „Nach gegenwärtigem Stand der Überlegungen kommt auf die Schulen ein Vierfach-Betrieb zu, nämlich Regelunterricht für bestimmte Klassen, Ersatzunterricht für andere, Ersatzangebote für Schüler aus Risikogruppen und zusätzlich Notbetreuung. Ob das gleichzeitig mit den Abiturprüfungen überhaupt zu realisieren ist, steht noch in den Sternen“, sagt Marcus Hahn, Vorsitzender des Philologenverbands. Die schrittweise Öffnung bedeute letztlich auch, dass „in manchen Klassen und für manche Personen die Schule in diesem Schuljahr wohl gar nicht mehr eröffnet wird“. Das Versprechen, kein Schüler und kein Referendar würde benachteiligt, sei „nicht haltbar“.