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Lehrer an Gymnasien blicken „mit gewisser Sorge“ aufs neue Schuljahr

Wegen Corona : Gymnasiallehrer fordern 20 Schüler als Obergrenze in Klassenstufe fünf

Die Lehrer an saarländischen Gymnasien fordern kleinere Klassen und eine „Reform“ der Schulbuchausleihe.

Nach dem wochenlangen Ausfall des regulären Schulunterrichts fordern die Lehrer an saarländischen Gymnasien, bereits jetzt die Weichen für das nächste Schuljahr zu stellen. Der Saarländische Philologenverband (SPhV) blickt „mit gewisser Sorge“ in die Zukunft, wie der Verband in einem Brief an Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) schreibt. Darin heißt es: „Auf Basis unserer Erkenntnisse müssen wir befürchten, dass der Wunsch, kein Schüler dürfe ‚durch Corona‘ Nachteile erleiden, ohne Weiteres nicht in Erfüllung gehen wird. Nach unserer Einschätzung sind für viele Schülerinnen und Schüler Nachteile bereits eingetreten, die wir in diesem Schuljahr unter den gegebenen Bedingungen nicht werden vollständig beseitigen können.“

Der SPhV lobt die „verantwortungsbewusste und umsichtige Führung“ der Regierung in der Corona-Krise, fordert für die Zukunft indes „entschlossenes und tatkräftiges Handeln“ – zum Beispiel, die Klassengröße der Klassenstufe fünf auf maximal 20 Schüler zu beschränken. „Trotz aller Bemühungen der Kolleginnen und Kollegen, der Eltern und nicht zuletzt der Schülerinnen und Schüler der Grundschulen selbst werden die Fünftklässler ganz anders vorbereitet zu uns kommen als alle Jahrgänge vor ihnen seit vielen Jahren“, schreibt SPhV-Chef Marcus Hahn. Es sei kaum vorstellbar, der Herausforderung mit den an Gymnasien noch immer üblichen Klassenstärken von 27 und mehr zu bewältigen. Zudem regt der SPhV an, dass das Land mit den Schulträgern darüber reden soll, dass die Schulbücher des aktuellen Schuljahres erst nach den Herbstferien zurückgegeben werden müssen. Dies hält Hahn für nötig, damit die Versäumnisse und Lücken im nächsten Schuljahr aufgearbeitet werden können.

Als dritten Punkt schlägt der ShPV vor, die Ausgabe von digitalen Endgeräten an Kinder aus bedürftigen Familien zu einem „nachhaltigen Gesamtkonzept“ zu erweitern – „verankert in den Medienkonzepten der Gymnasien einerseits sowie in einem entsprechend, z.B. durch ein Leih-Kauf-System, erweiterten Konzept der Schulbuchausleihe“.

Bereits jetzt hätten die Schulschließungen massive Auswirkungen auf das Lernen der Schüler, die im laufenden Schuljahr nicht vollständig behoben werden könnten. „Daher brauchen die Lehrkräfte und die Schulen jetzt bald ein umfassendes Maßnahmenpaket, damit sie dieser Herausforderung im kommenden Schuljahr wirksam und pädagogisch sinnvoll begegnen können“, erklärte  Hahn. Und: „Uns im Philologenverband ist völlig klar, dass die notwendigen Maßnahmen hohe Investitionen erfordern, die die Landesregierung nur gemeinsam wird stemmen können. Die Reaktionen auf unser Schreiben von Seiten der Bildungsministerin haben uns gezeigt, dass Gesprächsbereitschaft besteht. Das ist ein gutes Zeichen, dem jetzt möglichst bald Taten folgen müssen“, erklärte Hahn in einer Mitteilung.

www.phv-saar.de