Landessportverband Saar erhält Millionenkredit zur Sanierung

LSVS erhält Millionenkredit : Ein teurer Neuanfang beim Saar-Sportverband

Nach monatelanger Hängepartie bekommt der krisengeschüttelte Landessportverband Saar (LSVS) zur Sanierung einen Millionenkredit.

Adrian Zöhler dreht an der Krone seiner Armbanduhr. Es ist Montag, kurz vor 17 Uhr. Der Präsident des Landessportverbandes Saar (LSVS) trägt einen dunkelblauen Anzug. So wie Geschäftsmänner das tun. Zöhler kehrt gerade von einem Termin bei der saarländischen Landesbank zur Hermann-Neuberger-Sportschule zurück. Er hat bei der Bank seine Unterschrift unter einen Kreditvertrag gesetzt, 28 Seiten stark. Das Kreditinstitut gewährt dem LSVS ein Darlehen über 13,9 Millionen Euro, die Laufzeit beträgt 30 Jahre. Beginnt damit eine neue Zeitrechnung an der Sportschule?

Mit dem Millionenkredit endet eine monatelange Hängepartie um den finanziell angeschlagenen LSVS. Immer wieder drohte dessen Rettung zu scheitern. Nun scheint eine Sanierung möglich. Doch es wird ein teurer Neuanfang. Der LSVS muss zwei Kredite bedienen. Bei der Landesbank hatte er sich 2015 bereits 20,5 Millionen Euro geliehen, die Darlehensraten führten ihn 2018 an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Ein Restbetrag von 17 Millionen Euro ist offen. Der Schuldenstand des LSVS erreicht mit dem neuen Kredit ein Rekordniveau von über 30 Millionen Euro. Jährlich muss der Verband rund 1,7 Millionen Euro für Kreditraten aufwenden. Trotzdem sind die Verantwortlichen des LSVS erleichtert.

Adrian Zöhler schätzt Metaphern. Als er im vergangenen Herbst an die Verbandsspitze strebte, sagte der 49-Jährige, der LSVS befinde sich in einem schweren Sturm. Doch man habe die Möglichkeit, ihn in ruhige Gewässer zu führen. Das war ein Dreivierteljahr nach Beginn der Finanzaffäre. Nun, nachdem der Kreditvertrag unterschrieben ist, spricht Zöhler von einem „Fundament, auf dem der neue LSVS aufbauen kann, ein sicheres Fundament“. „Es gilt jetzt, ein Haus zu bauen, in dem sich unsere Verbände, Vereine und Sportler in Zukunft wohl und sicher fühlen“, sagt er.

Der LSVS sei mit tiefen Einschnitten aus eigener Kraft sanierbar, das hatte Konsolidierungsberater Michael Blank vor einem Jahr erklärt. Er bezifferte das strukturelle Defizit des Verbandes auf 2,5 Millionen Euro jährlich. Den Rotstift setzte Blank vor allem beim Personal an, er wollte die hochdefizitäre Mensa privatisieren, Parkgebühren an der Sportschule verlangen. Trotz massiver Proteste: 44 Beschäftigte verloren bis Ende März ihren Job, die meisten zogen vor das Arbeitsgericht. Mehr als der Hälfte der Mitarbeiter habe man mit Hilfe der Landesregierung wieder eine Stelle vermitteln können, sagt Zöhler nun. Schwimmhalle, Mensa und Multifunktionshalle, „geborene Verlustträger“, wie Zöhler sie nennt, blieben erhalten. Doch noch immer regt sich Widerstand gegen die umfangreichen Sparpläne.

Dass sich der LSVS würde verschulden müssen, um wieder auf die Beine zu kommen, war seit Beginn der Finanzaffäre vor eineinhalb Jahren klar. Der Sportverband finanziert sich größtenteils über das sogenannte Sportachtel. Saartoto überweist ihm 12,5 Prozent der Spieleinsätze aus dem staatlichen Lotteriegeschäft. Sichere Einnahmen, die der LSVS aber nicht aus eigener Kraft steigern kann. Sie bewegen sich, trotz Schwankungen, seit Jahren auf einem ähnlichen Niveau. 2018 flossen 13,1 Millionen Euro von Saartoto an die Sportschule.

Chefsanierer Blank hatte den Kreditbedarf im Juli vergangenen Jahres auf 15,2 Millionen Euro beziffert. Doch es dauerte bis zur vorletzten Woche, ehe der LSVS offiziell einen Kreditantrag stellen konnte – über deutlich weniger Geld. Die Landesbank hatte umfangreiche Sicherheiten gefordert. Auch ein genaues Sanierungskonzept, untermauert durch das Gutachten eines Wirtschaftsprüfers. Wie sich herausstellte, war die Expertise alles andere als eine Formsache. Zöhler bezeichnet sie nun als „größtmögliche Sicherheit“. Mehr als einmal holte die Vergangenheit den LSVS ein. Mal ging es um Millionen, dann wieder schien der Kredit an Kleinigkeiten zu scheitern. Um das zu verhindern, engagierte sich im Hintergrund die Landespolitik – auch aus eigenem Interesse.

Eine Zahlungsunfähigkeit des Sportverbandes hätte den Steuerzahler etliche Millionen gekostet. Nicht nur, weil die Landesregierung vor vier Jahren eine Patronatserklärung abgegeben hat. Für den damals aufgenommenen Kredit über 20,5 Millionen Euro, den ein Gutachter der Staatsanwaltschaft als höchst fragwürdig erachtet.

Das Problem der Politik: Beim LSVS handelt es sich um eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Das schließt eine Insolvenz des Verbandes aus, das Land müsste im Notfall für ihn aufkommen. Auch deshalb war die Regierung bereit, eine Bürgschaft für einen neuen Kredit zu übernehmen.

Was geschieht nun mit dem Geld von der Bank? Sieben Millionen muss der LSVS sofort an die Sportplanungskommission weiterleiten. Sie fördert den Bau von Hallen und Sportplätzen im Land. Der Kommission steht ein fester Anteil des Sportachtels zu. Der LSVS legte dieses Geld nicht zurück, sondern gab aus, was an Fördergeldern nicht abfloss. So stiegen die Verbindlichkeiten gegenüber der Kommission weitgehend unbemerkt auf einen Millionenbetrag an. Außerdem verwendete man Zuschüsse für die Hermann-Neuberger-Sportschule nicht ordnungsgemäß. Man verzichte nicht auf die Gelder, betonte Innenstaatssekretär Christian Seel (CDU) schon vor Monaten. Allerdings kann sich der Verband die Millionen zurückholen – über Anträge für eigene Bauprojekte. Ohne diesen Rückfluss wäre der Kreditbedarf des LSVS deutlich höher ausgefallen. Denn an der Sportschule in Saarbrücken herrscht ein Sanierungsstau. Deshalb sind weitere drei Millionen Euro aus dem Darlehen dafür vorgesehen. Mit den restlichen 3,9 Millionen Euro werden Altschulden beglichen. Bodo Wilhelmi, der fürs Finanzielle zuständige LSVS-Vize, spricht am Montag von einer „Abarbeitung des Sanierungsgutachtens“.

Nun, da es nicht mehr nur ums Geld geht, will der LSVS schnell neue Strukturen schaffen, um „modern aufgestellt“ zu sein, wie Vizepräsident Gottfried Hares sagt. Das Ziel sei eine „basisdemokratische Organisation“. Zwar betonen alle Funktionäre die Eigenständigkeit des Sports. Dennoch erklärt Hares, man stehe im engen Dialog mit der Politik. Das liegt nicht nur an der Bürgschaft. Sondern am sportpolitischen Sonderweg des Saarlandes. Neben einer Satzung existiert für den LSVS ein eigenes Gesetz. Die Linksfraktion im Landtag wollte mit einer Änderung dafür sorgen, dass der Geldfluss von Saartoto an den LSVS einen Umweg über das Parlament nimmt. Darauf reagierten CDU und SPD mit der Ankündigung einer Gesetzesnovelle, die zum 1. Januar 2020 in Kraft treten soll – ohne eine parlamentarische Kontrolle, wie sie der Opposition vorschwebt.

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