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Landesdenkmalrat kritisiert Aussagen zur Abtei-Restaurierung in Tholey

Kritik an Aussagen zur Abtei-Restaurierung : Stiftung friert Gelder für Abtei Tholey ein

Mit Kritik von Linksfraktionschef Oskar Lafontaine und Mäzen Edmund Meiser am Verhalten der Denkmalschützer im Streit um die Abtei Tholey geht der Landesdenkmalrat hart ins Gericht.

Mit deutlichen Worten wehrt sich der Landesdenkmalrat des Saarlandes (LDR) gegen Äußerungen von Edmund Meiser und Oskar Lafontaine zur Rolle des Landesdenkmalamtes (LDA) bei der Sanierung der Abteikirche Tholey (SZ vom 8.10. und 9.10.). „Hier wird eine Legende gestrickt, in der die Denkmalbehörde als ‚Verhinderungsamt’ auftritt, das der von der Familie Meiser großzügig geförderten ‚Wiederauferstehung’ der Abteikirche immer wieder Steine in den Weg lege“, sagt der LDR-Vorsitzende Henning Freese.

Er betont: „Das Gegenteil ist der Fall. Der LDR hat die Tätigkeit des LDA während der gesamten Sanierung begleitet (...) Bereits die vom LDA im Juni 2018 erteilte denkmalrechtliche Genehmigung, die unter anderem die Konzepterstellung für die Restaurierung des Nordportals vorsah, war eng mit der Abtei abgestimmt.“ Im März 2019 seien die Rundbögen (Archivolten) des Portals „widerrechtlich“ entfernt worden, so Freese. Dennoch habe das LDA keine Abstimmungsprozesse mit dem Bauherrn und der Bauleitung verzögert oder behindert, sondern im Gegenteil dazu beigetragen, den Eröffnungstermin zu realisieren.

Freese weiter: „Der bauleitende Architekt Peter Berdi und die beteiligten Steinmetz-Firmen haben den Kooperationswillen des LDA immer begrüßt. Nur durch die intensive Überzeugungsarbeit des LDA konnten die Planungen der Abtei, den Kircheninnenraum weiß zu streichen, verhindert werden.“ Die so erreichte Sanierung werde heute von allen Beteiligten und Besuchern als besonders gelungen gewertet.

„Mit aller Konsequenz – und das völlig zu Recht – hat sich das LDA aber gegen die schwere Beschädigung des Nordportals der Abteikirche gestellt“, bekräftigt Freese. Der ohne denkmalrechtliche Genehmigung erfolgte Ausbruch der Rundbögen sei nach Ansicht  des Denkmalrates in seiner schwerwiegenden Bedeutung kaum zu überschätzen. Das Skulpturen-Ensemble gehöre ungeachtet aller Beschädigungen nicht nur zu den wenigen herausragenden Bildzeugnissen des Mittelalters im Saarland, „es ist zudem eines der frühesten gotischen Portale in Deutschland und somit ein Denkmal von nationalem Rang“.

Die von der Abtei für die Entnahme des Portals ins Feld geführten „religiösen Belange“ (Paragraf 30 des Saarländischen Denkmalschutzgesetzes), hält Freese nach  eigenen Angaben für mehr als zweifelhaft. Tatsächlich zeugten die Beseitigung der mittelalterlichen Substanz und der vom Bauherrn geplante Einbau eines neuen, ästhetisch überaus fragwürdigen Portals von einer erstaunlichen Geschichtsvergessenheit: „Die Vertreter einer Institution, die immer wieder die Rolle der ‚ältesten Abtei Deutschlands’ für sich reklamiert, entfernen das wichtigste sichtbare Zeugnis ihrer mittelalterlichen Vergangenheit aus der Klosterkirche“, schreibt Freese weiter. „Ein solcher Vorgang mutwilliger Beschädigung ist unseres Wissens einzigartig in Deutschland“, sagen demnach Steffen Skudelny und Lutz Heitmüller, Vorstand der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“. Die Stiftung habe deshalb angekündigt, die für die Sanierung der Kirche bereitgestellten Fördergelder bis auf Weiteres einzufrieren.

Freese geht in seinem Schreiben auch auf eine von unserer Zeitung zitierte Aussage Edmund Meisers ein, derzufolge das LDA „den Einbau eines neuen Portals fast schon mit allen Mitteln“ zu vereiteln suche. Freese sagt dazu: „In diesem Bestreben kann der Landesdenkmalrat das Landesdenkmalamt nur nachdrücklich unterstützen. Durch die Erhaltung des historischen Bestands an Ort und Stelle sowie den Wiedereinbau der entfernten Archivolten nach behutsamer Sanierung könnte eines der wichtigsten materiellen Zeugnisse des Mittelalters im Saarland gerettet und neu präsentiert werden.“