Nach SZ-Interview mit IT-Unternehmer Scheer: Lafontaine teilt Sorge um Zukunft der Saar-Uni

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Die Fraktionen von Linken und AfD im Saar-Landtag teilen die Kritik des saarländischen Unternehmers August-Wilhelm Scheer an der Innovationspolitik der saarländischen Landesregierung.

Scheer hatte in einem SZ-Interview (Ausgabe vom 10./11.November) vor überzogenen Erwartungen an die saarländische Informatiklandschaft gewarnt. Einzelne Einrichtungen wie das Cispa-Forschungszentrum der Helmholtz-Gesellschaft könnten keine „Heilsbringer“ sein, sagte der IT-Forscher Scheer. Innovationspolitik müsse mehr sein als ständige Versprechungen, nämlich eine Kombination aus der Weiterentwicklung vorhandener Strukturen und Zukunftsvisionen.

„Das ist ein Weckruf zur rechten Zeit. Professor Scheer ist zuzustimmen. Saarländische Innovationspolitik muss mehr sein als fortgesetzte Ankündigungen und Selbstbeweihräucherungen“, sagt der Linken-Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine. Auch die Linken sehen eine zu starke Fokussierung auf das Cispa. „Die Landesregierung hinterlässt den Eindruck, sie setze einseitig auf die Informatik“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Jochen Flackus. Auf ein Institut und eine Technologie zu setzen, könnte sich als Fehler herausstellen. Das Saarland müsse darüber hinaus die Schnittstellen zwischen Informatik und Produktion stärken sowie im Bereich der Medizintechnik, die hier ausgezeichnet sei, investieren.

Im SZ-Gespräch hatte Scheer zudem die Sorge um die Zukunft der Saar-Uni geäußert. Diese müsse sich gezielt um Forschungsgelder bemühen und mehr Spitzenkräfte ausbilden. Die Politik müsse konkrete Maßnahmen ausarbeiten, um Unternehmen anzulocken. Ansonsten drohe dem saarländischen IT-Sektor die Bedeutungslosigkeit. Die Sorge um die Qualität der Saar-Uni teilt die AfD im Landtag: „Herr Scheer ist eine Koryphäe und hat schon öfters die Wahrheit gesagt. Wo eine gute Universität ist, ist die Chance für die Ansiedlung wichtiger Zukunftstechnologien“, sagte der Fraktionsvorsitzende Josef Dörr. „Wenn wir nicht unsere Universität zur Provinzuni verkommen lassen wollen, müssen wir mit Leistung glänzen.“ Dafür müssten die Mittel für die Bildung sinnvoll investiert werden, dies beginne schon in den Grundschulen.

„Das Saarland wird in der Konkurrenz zu Standorten wie Bochum, München und Darmstadt nur bestehen, wenn mehr in die saarländische Forschungslandschaft investiert wird“, sagte Lafontaine. Dies gelinge nur, wenn die CDU ihre „investitionshemmende Ideologie der schwarzen Null“ aufgebe und ihre Investitionen in die saarländische Infrastruktur deutlich erhöhe.

(ukl)
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