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Kosten für Sanierung des Pingusson-Baus stehen fest

Zwischen 50 und 55 Millionen : Kosten für Sanierung des Pingusson-Baus stehen fest

Die bisher nur grob geschätzten Kosten für eine Sanierung des denkmalgeschützten Pingussson-Baus in Saarbrücken, um dessen Erhalt seit rund zehn Jahren ein harter Streit geführt wird, liegen nun verbindlich vor.

Bauminister Klaus Bouillon teilte in einer Pressemitteilung mit, dass sie „unter Berücksichtigung von Baupreissteigerungen und Risiken beim Umbau im Bestand“ zwischen 50 und 55 Millionen liegen. Diese Zahl ist nicht überraschend. Bouillon hatte in der Vergangenheit nach ersten Gutachten die Sanierungsaufgabe auf etwa 53 Millionen Euro geschätzt. Mit dieser nun finalen und verbindlichen Kostenschätzung für eine Wiedernutzung des seit 2014 leer stehenden Gebäudes ist laut Bouillon noch keine Entscheidung verbunden. Bis 2014 war das Kultusministerium Nutzer der 1954 als Französische Botschaft erbauten Gebäudekomplexes mit Hochhaus und Wohntrakt an der A 620.

Bauminister Bouillon kündigte an, „die Untersuchungsergebnisse mit der Bewertung meiner Fachabteilung dem Landesrechnungshof zur Prüfung zur Verfügung“ zu stellen. Danach würden die Ergebnisse dem Finanzminister vorgelegt und erst dann werde der Ministerrat entscheiden. Zur Abwägung sagte der Minister, man müsse beachten, dass sich 20 große Baumaßnahmen des Landes bereits in der Planungsphase befänden, Baubeginn sei 2021 und 2022. Allein diese Vorhaben seien mit 300 Millionen Euro kalkuliert. Zudem sollten etwa 400 Millionen Euro in Großprojekte auf dem Campus der Homburger Uniklinik (Nervenklinik, Neubau Chirurgie) fließen. Bouillon: „Aus meiner Sicht muss man all diese Dinge im Zusammenhang sehen, um verantwortungsvoll mit den Geldern, die zur Verfügung stehen umzugehen. Der Ministerrat wird die schwierige Aufgabe haben, hier Prioritäten zu setzen und sich auf die notwendigen Baumaßnahmen zu konzentrieren. Meine persönliche Auffassung dies bezüglich ist klar, ich habe mich hierzu bereits vor zwei Jahren geäußert.“

Bouillon gilt als Gegner einer umfassenden Sanierung des Stadtbild prägenden Gebäudes, für dessen Erhalt sich bundesweit Architekten und Kunsthistoriker stark machen und das sich zu einem der größten Streitfälle in der saarländischen Landespolitik entwickelt hat. Auch innerhalb der Großen Koalition polarisiert seit rund zehn Jahren die Frage, wie mit dem Denkmal umzugehen ist. Die Oppositon und Kritiker des langen Abstimmungsprozesses äußerten immer wieder den Verdacht, die Sanierung werde vorsätzlich so lange hinaus gezögert, bis die Bausubstanz gänzlich marode sei und nur noch ein Abriss ökonomisch in Frage komme. 

Seit 2011 existiert ein Ministerratsbeschluss, der einen Rückumzug des Kultusministeriums vorsieht. Jedoch stand dieser Beschluss unter einem Kostenvorbehalt. 2016 erneuerte die CDU/SPD-Landesregierung ihr Ja zu einem Erhalt, verband es jedoch mit der Auflage umfassender Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Bouillon ließ in seiner Pressemitteilung offen, ob diese bereits vorliegen. 

Bauminister Klaus Bouillon hat sich mehrfach kritisch zum Erhalt des Pingusson-Baus geäußert. Foto: BeckerBredel

Das Kultusministerium ist derzeit in der früheren Alten Post in Saarbrücken untergebracht, die für diesen Zweck umgebaut und angemietet wurde. Wegen laufender Mietverträge kann das Ministerium frühestens 2024 wieder in das Pingussson-Gebäude zurückziehen.

Der Gebäudekomplex wurde in der Zeit von 1951 bis 1954 nach dem Entwurf des Architekten Pingusson als Sitz des französischen Militärgouverneurs an der Saar, Gilbert Grandval, erbaut. In den 80er Jahren wurde das Bauwerk in die Liste der denkmalwerten Gebäude gemäß Saarländischem Denkmalschutzgesetz aufgenommen.