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Kontakt ohne Besuch: Saarländische Pflegeheime bieten kreative Lösungen

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarländische Pflegeheime schaffen kreative Lösungen : Kontakt auch ohne Besuch

In der Corona-Krise sind in saarländischen Pflegeheimen kreative Lösungen gefragt, damit die Bewohner nicht vereinsamen.

Manche freuen sich die ganze Woche darauf, für andere gehört er zur täglichen Routine: der Besuch. Egal ob die Ehefrau jeden Tag nach dem Mittagessen zum Plaudern vorbei kommt oder der Sohn immer sonntags mit einem Stapel frischer Wäsche auftaucht. Für Senioren, die in Pflegeheimen wohnen, ist die gemeinsame Zeit mit Angehörigen und Freunden eine willkommene Abwechslung im Alltag und eine Verbindung zur Außenwelt. Durch die Corona-Krise wurde diese gekappt. Der Grund dafür: Die Heimbewohner sind meistens Senioren, viele mit Vorerkrankungen, und gehören damit zur Risikogruppe bei Covid-19. Deren Sicherheit hat oberste Priorität, doch trotz dieser notwendigen Abschottung bleibt auch die Bindung zu der Familie für die psychische Gesundheit der Bewohner wichtig. Um den Kontakt trotz Besuchsverbot aufrecht zu erhalten, sind deshalb kreative Lösungen gefragt.

Was in der Arbeitswelt zurzeit verstärkt zum Einsatz kommt, Video-Anrufe etwa, kann auch in Pflegeheimen die soziale Distanz erträglicher machen. Wie es technisch geht, wissen aber auch die Bewohner, die ein eigenes Handy besitzen, nicht immer auf Anhieb. In der Seniorenbetreuung Haus Blandine in Düppenweiler gibt das Team um Pflegedienstleiter Marc Helfen die nötige Hilfestellung. „Wir haben das Ganze sehr unbürokratisch organisiert. Es gibt eine zentrale Handynummer, die für Angehörige immer erreichbar ist. Sie können sich jederzeit über den Gesundheitszustand ihrer Angehörigen erkundigen, aber auch Video-Termine vereinbaren“, berichtet Helfen. Das Angebot komme gut an, jeden Tag bekomme er sieben oder acht Anfragen. Steht eine Uhrzeit fest, stellt ein Mitarbeiter die Verbindung auf einem Ipad her. „Das übernehmen meistens unsere Azubis. Da die Schulen geschlossen sind, arbeiten sie die ganze Zeit im Betrieb. Unsere Bewohner wissen ihren Einsatz sehr zu schätzen“, sagt er. Allgemein hätten die 85 Bewohner sehr verständnisvoll auf das Besuchsverbot reagiert. „Es geht ihnen nicht nur um sie selbst, sondern auch darum, ihre Lieben zu schützen“, erzählt der Pflegedirektor. Denn oft gehören die Besucher selbst zur Risikogruppe. „Eine unserer Bewohnerinnen ist 80. Ihre Tochter ist 60 und hat Asthma. Sie will sie auf keinen Fall gefährden“, gibt er ein Beispiel.

Nicht nur der persönliche Kontakt zur Familie ist durch die Corona-Krise schwieriger geworden, auch der Informationsbedarf ist gestiegen. „Insgesamt sind alle relativ gefasst, aber es gibt natürlich viele Fragen rund um Corona“, beschreibt Helfen die Lage in Düppenweiler. „Stimmt das, das alle Infizierten über 80 sterben? Ich habe heute drei Mal gehustet, habe ich das Virus?“: Solche Fragen kämen in diesen Tage immer wieder. „Eine Seniorin traut sich nicht mehr morgens die Zeitung aufzuschlagen, weil sie Angst vor den neuen Nachrichten zum Virus hat. Auch da ist es wichtig, die Ängste ernst zu nehmen und Aufklärungsarbeit zu leisten.“

Aufklärungsarbeit muss in diesen Tagen auch das Personal in den Seniorenresidenzen der Victors’s Gruppe leisten. „Vor allem für diejenigen, die in Betreutes-Wohnen-Einheiten leben und bisher immer in der Stadt einkaufen und schlendern durften, ist es eine große Umstellung“, erklärt Sprecher Peter Müller. Diese Bewohner dürfen nun nicht mehr das Gelände verlassen. „Wir müssen das Pflegeheim als Schutzraum unbedingt bewahren, und unsere Bewohner können eben nur von außen geschützt werden“, sagt er. Auch innerhalb der Einrichtungen hat sich einiges geändert. Es gibt keine Ansammlungen mehr, beim Essen sitzen alle weit auseinander. „Auch unsere Aktivitäten wurden runtergefahren, unsere Kurse wurden stark eingeschränkt. Doch die dadurch freigewordene Zeit wird von unseren Teams in die Einzelbetreuung investiert“, so Müller. Auch hier soll das Personal versuchen, über I-Pad und Skype virtuelle Treffen zwischen Bewohnern und Angehörigen zu organisieren. „Wir hoffen, dass es gut funktionieren wird, viele machen das aber zum ersten Mal“, sagt er. Worin das Personal aber geübt ist, ist Patienten zu erklären, warum sie im Heim bleiben müssen. „Unabhängig von der heutigen Lage sind wir damit betraut, Menschen zu betreuen, die von einer häuslichen Situation zu uns kommen.“ Bisher hätten Angehörige und Bewohner die strengen Maßnahmen gut aufgenommen. „Einige kennen solche Notzeiten noch aus eigener Erfahrung von der Kriegszeit“, erzählt Müller.

Ganz im Gegensatz zu den Kindern oder Enkelkindern, die noch nie mit einer solchen Situation konfrontiert wurden. „Wir versuchen daher, alle Wünsche nach telefonischer Kontaktaufnahme der Angehörigen zu erfüllen. Wir bitten aber um Verständnis, dass es aufgrund der Vielzahl von Anfragen und der dynamischen Entwicklung der Corona-Pandemie zu Verzögerungen kommen kann“, sagt Jürgen Nieser, Sprecher der Arbeiterwohlfahrt im Saarland. Auf Facebook hat die Awo die Aktion „Wir sind hier für Euch – bitte bleibt für uns Zuhause!“ gestartet, bei der Heimbewohner und Personal virtuelle Grüße schicken. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Senioren-Haus der Caritas in Bischmisheim. Auf der Internetseite der Einrichtung und ihrem Facebook-Auftritt werden täglich Bilder der Bewohner gepostet. So sollen die Angehörigen weiterhin am Leben in der Einrichtung teilhaben können. Ob beim Gärtnern, Basteln oder Kegeln im Flur: Besuch ist zwar gestrichen, doch es sieht so aus als würden sich die Bischmisheimer Heimbewohner von Corona eines nicht wegnehmen lassen: ihre gute Laune.