Kommentar zur Entscheidung der Landesmedienanstalt Niedersachsen zum Spiegel-TV Film über Saarbrooklyn

Kommentar zum Saarbrooklyn-Urteil : Wie man mit Bildern und Fakten lügt

Es wird wohl das Geheimnis der Medienwächter in Niedersachsen bleiben, welche journalistischen Grundsätze es waren, denen der Spiegel-TV-Beitrag über „Saarbrooklyn“ entsprochen haben soll. Vielleicht die: Zahlen und Zitate müssen stimmen.

Wenn das reicht, war der Beitrag von Spiegel-TV kaum zu beanstanden, die Beschwerde unbegründet. Die ausgewählten statistischen Zahlen waren korrekt, die Personen real. Aber reicht das? Dass die Redaktion zugeben musste, Geld an eine Interviewte gezahlt zu haben, deren Drogen-Geschichte ins Bild der hoffnungslosen Stadt passte – geschenkt. Schwerer wiegt: Dem Beitrag fehlte es an ehrlichem, unvoreingenommenem Erkenntnisinteresse – an Wahrhaftigkeit. Es ist legitim, „die Schattenseiten“ einer Stadt zu zeigen, wie sich die Moderatorin Marion Gresz später rechtfertigte. Nur: Ihre Anmoderation und der Beitrag vermittelten erkennbar den Eindruck, hier werde Saarbrücken (Heimat der „sauberen AKK“) insgesamt charakterisiert. Der Film gehört in den Unterricht zur Medienkompetenz – als Lehre, wie man mit richtigen Zahlen und authentischen Bildern doch lügen kann.

Mehr von Saarbrücker Zeitung