Koalition gegen gemeinsamen Religionsunterricht im Land

Reaktion auf Schülervertretung : Koalition gegen gemeinsamen Religionsunterricht im Land

Die große Koalition im Saarland will an einem nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht in den Schulen festhalten. Das betonten die Fraktionsspitzen von CDU und SPD am Montag in Saarbrücken.

Sie reagierten damit auf die Forderung der Landesschülervertretung (LSV), einen gemeinsamen Unterricht für alle Glaubensrichtungen einzuführen.

„Wir lehnen den Vorschlag ab“, sagte Alexander Funk, der CDU-Fraktionschef im Landtag. „Der bekennende Religionsunterricht ist aus unserer Sicht richtig und sinnvoll.“ Die Schülervertretung hatte sich für einen Unterricht ausgesprochen, der die gemeinsamen Werte aller Religionen vermittelt. Es gehe nicht um Glaubensvermittlung im Fach Religion, das sei Konsens im Vorstand der Landesschülervertretung, hatte Saar-Schülersprecher Usamah Hammoud unserer Zeitung gesagt. Werte würden in der Familie und in jedem Unterrichtsfach gelebt, entgegnete Funk.

Deutlich positionierte sich auch SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon – der Ex-Bildungsminister, der im Land den islamischen Religionsunterricht einführte. „Ich bin ein großer Anhänger des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts“, sagte Commerçon. Gerade für Kinder und Jugendliche sei es wichtig, im geschützten Raum, aber unter staatlicher Aufsicht über die eigene Herkunft und Religionszugehörigkeit diskutieren zu können. Religion sei ein zunehmend wichtiger Faktor geworden, erklärte der Sozialdemokrat. Der konfessionsgebundene Unterricht habe eine wichtige Funktion, weil er die Wertschätzung gegenüber unterschiedlichen kulturellen und religiösen Traditionen zum Ausdruck bringe. Commerçon betrachtet den Islamunterricht im Saarland als Integrationsleistung – die in Frankreich nicht gelinge, wie er sagte. Im laizistischen Nachbarland sind Staat und Kirchen getrennt, an öffentlichen Schulen wird kein Religionsunterricht angeboten.

Oskar Lafontaine, der Fraktionschef der Linken, nannte den Vorschlag eines Werteunterrichts „aus der Zeit gefallen“. Werte steuerten die Gesellschaft immer weniger, sagte Lafontaine. Das sei eine Folge des Neoliberalismus, der zu einem Verlust von Empathie führe. Skeptisch äußerte sich AfD-Fraktionschef Josef Dörr zu einem gemeinsamen Unterricht. Er sagte: „Wenn Religionen gegeneinander stehen, sehe ich nicht, wie man eine Gemeinsamkeit finden will.“

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