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Klinikträger im Saarland planen Angebote für den Norden des Landes

Kostenpflichtiger Inhalt: Diskussion um Nordsaarlandklinik : Bischof schaltet sich in Klinik-Debatte ein

Die Gesundheitsministerin hat sich mit Bischof Ackermann und Managern katholischer Träger getroffen. Eine neue Klinik wollen sie im Nordsaarland nicht bauen. Dafür gibt es andere Ideen.

Das Treffen hätte eigentlich gar nicht stattfinden dürfen, jedenfalls nicht im Saarland ab Mittwoch 0 Uhr. Ansammlungen mit mehr als fünf Personen sind dann untersagt, ordnete das Gesundheitsministerium von Monika Bachmann (CDU) zur Bekämpfung des Coronavirus an. Dass dieselbe Ministerin am Dienstag in deutlich größerer Runde – aber mit zwei Metern Abstand zwischen den Stühlen und ohne Hände zu schütteln – mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann und den Chefs der katholischen Krankenhausträger zusammensaß, zeigt, wie wichtig ihr das Thema war, um das es ging.

Bachmann will die katholischen Träger dafür gewinnen, im Nordsaarland eine Klinik mit knapp 300 Betten zu bauen. Die Nordsaarlandklinik soll die stationäre Versorgung in der Region sicherstellen, nachdem das Krankenhaus Wadern 2017 dichtgemacht wurde, Lebach ebenfalls vor dem Aus steht und das kleine Krankenhaus Losheim vor einer unsicheren Zukunft steht.

Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) will die Absage der katholischen Träger nicht akzeptieren . Foto: BeckerBredel

Bisher hat sich Bachmann mehr als einmal eine Abfuhr von den Trägern geholt. Sie sehen keine Möglichkeit, im Norden eine Klinik wirtschaftlich zu betreiben. „Ich dulde das Nein einfach nicht“, entgegnete Bachmann kürzlich im Landtag und appellierte an die Träger: „Unterstützt uns hier in diesem Land, damit Leute das Gefühl haben, sie sind ordentlich versorgt.“

Im November startete Bachmann ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren: Träger, die Interesse haben, eine Nordsaarlandklinik zu bauen und zu betreiben, sollen sich bis Ende März melden. „Wir können nicht warten, bis irgendein Wunder geschieht“, sagte Bachmann. Gemeinsam mit ihrem Staatssekretär Stephan Kolling (CDU) hat sie in den vergangenen Wochen bundesweit Träger besucht und versucht zu überzeugen, angeblich wurden die beiden auch in den Zentralen großer Krankenhauskonzerne gesehen.

Bischof Stephan Ackermann hat das Gespräch der katholischen Träger mit dem Ministerium angeregt . Foto: dpa/Harald Tittel

Greifbare Ergebnisse brachte das Gespräch beim Bischof nicht. Die meiste Zeit ging es um die Corona-Krise. Bachmann ließ danach mitteilen, die kirchlichen Träger seien (wieder einmal) ermutigt worden, sich in den laufenden Prozess des Interessenbekundungsverfahrens einzubringen.

Bischof Ackermann teilte im Anschluss an das gut zweistündige Gespräch mit: „Den katholischen Trägern ist es wichtig, Verantwortung für die klinische Versorgung im Nordsaarland zu übernehmen und mit der Ministerin entsprechende Perspektiven zu erörtern.“ Er sei gerne bereit, Bindeglied zwischen den kirchlichen und politischen Akteuren zu sein.

Angeblich haben inzwischen mehrere regionale Träger, auch katholische, Konzepte für eine bessere medizinische Versorgung im Nordsaarland angekündigt. Um den Neubau einer Klinik geht es dabei allerdings nicht. Die Überlegung ist: Für planbare Operationen nehmen Patienten im Nordsaarland auch weitere Wege in Kauf, das zeigt nicht zuletzt die schwache Auslastung der Krankenhäuser in der Region (in Lebach nach Trägerangaben seit Jahren rund 60 Prozent). Für lebensbedrohliche Notfälle, die mit dem  Herz zu tun haben, könnte eine Lösung darin bestehen, eine der bestehenden Kliniken mit einer Kardiologie auszustatten. Möglicherweise könnte das ein Lösungsansatz für die SHG-Klinik Merzig sein, die beim Neubau einer Nordsaarlandklinik nach einem Gutachten etwa 20 Prozent ihrer Betten verlieren würde und dann wohl in wirtschaftliche Schwierigkeiten käme.

Marienhaus hat zudem angekündigt, ein neues Konzept für den Standort Losheim vorzulegen. Das Krankenhaus dort mit einer kleineren Inneren Medizin und einer konservativen Orthopädie gilt dem Träger in seiner jetzigen Struktur nicht als überlebensfähig.

Die bisherigen Ergebnisse des Interessenbekundungsverfahrens sind streng geheim. Für den Fall, dass sich kein kirchlicher oder öffentlicher Interessent für den kostenintensiven Neubau einer Klinik im Norden des Landes findet, wird der Einstieg eines privaten Klinikkonzerns für möglich gehalten. Bachmann hatte in der vergangenen Woche im Landtag Bezug auf entsprechende Spekulationen genommen und gesagt: „Was ist denn ein Privater? Wir sind das einzige Bundesland, das noch keinen privaten Träger hat. Wirtschaftlich denkt ein katholischer Träger genauso wie ein Privater.“