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Kliniken: Mehr Verdachtsfälle auf Misshandlung von Kindern in der Corona-Krise im Saarland

Beobachtung von Kliniken : Mehr Misshandlungen im Saarland in Corona-Krise

Kliniken berichten von mehr Frakturen bei Kindern als Hinweis auf Gewalt. Im Bund belegt eine Studie den Trend.

Im Saarland registrieren Krankenhäuser in der Corona-Pandemie eine Zunahme mutmaßlicher Misshandlungen von Kindern.  Das Klinikum Saarbrücken zählte in den vergangenen Wochen fünf Schädelbrüche bei Säuglingen, wie die SZ erfuhr. Normalerweise verzeichnet dort die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin laut Chefarzt Jens Möller zwei bis drei solcher Frakturen im ganzen Jahr. Auch am Universitätsklinikum (UKS) in Homburg gab es „viele Fälle von vermutlich misshandlungsbedingten Frakturen“, sagte Eva Möhler, die Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Das war in dieser Häufung vor der Pandemie nicht der Fall.“ Über die aktuelle Situation hat Möhler auch die von der Landesregierung gegründete Kinderschutzkommission unterrichtet.

Dass Kinder unter zehn Jahren in der Pandemie verstärkt zu Opfern von Misshandlungen werden, legt eine repräsentativen Umfrage der TU München und des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen nahe. Dafür wurden zwischen dem 22. April und dem 8. Mai etwa 3800 Frauen in Deutschland befragt. Demnach erlebten während der Ausgangsbeschränkungen rund 9,2 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe körperliche Gewalt. Allgemein liegt der Wert bei 6,5 Prozent.

Bei einem Misshandlungsverdacht schalten die Krankenhäuser die Jugendämter ein. Die Behörden können Kinder und Jugendliche zeitweise in ihre Obhut nehmen. Trotz der medizinischen Beobachtungen ging die Zahl der Inobhutnahmen im Regionalverband Saarbrücken zwischen Januar und Mai gegenüber dem Vorjahr von 297 auf 120 zurück. Auch in anderen Landkreisen des Saarlandes waren die Zahlen rückläufig. Das dürfte aber vor allem an der Schließung von Schulen und Kitas liegen. Im Regionalverband kommen etwa 40 Prozent der Hinweise auf eine Gefährdung von den Bildungseinrichtungen.