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Kliniken im Saarland fürchten durch Corona finanzielle Schwierigkeiten

Kostenpflichtiger Inhalt: Höhere Ausgaben, geringere Einnahmen : Saar-Kliniken fürchten finanzielle Schieflage durch Corona-Krise

Die Krankenhäuser haben höhere Kosten und geringere Einnahmen. Vom „Rettungsschirm“ der Bundesregierung sind sie sehr enttäuscht.

Die Chefs der saarländischen Krankenhäuser befürchten, dass sich durch die Corona-Krise die wirtschaftliche Situation ihrer Häuser wesentlich verschlechtern könnte. Die Kliniken haben zum einen deutlich höhere Kosten, zum Beispiel durch die Schaffung zusätzlicher Intensivplätze. Zum anderen entgehen ihnen Einnahmen, weil auf planbare Operationen verzichtet wird, um Kapazitäten für die Behandlung schwer verlaufender Corona-Infektionen freizuhalten.

Vom Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Ausgleich Corona-bedingter Belastungen sind die Klinik-Chefs enttäuscht. „Mit diesem Gesetzentwurf kann kein Krankenhaus sicher sein, dass es die Krise unbeschadet übersteht“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG) und Geschäftsführer des Klinikums Saarbrücken, Christian Braun. Dabei hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seinen Gesetzentwurf nach harscher Kritik bereits überarbeitet.

Spahn spricht von einem milliardenschweren „Rettungsschirm“. So soll es für jedes nun frei gehaltene Bett pauschal 560 Euro pro Tag geben (nach Ansicht der Kliniken nicht ansatzweise ausreichend). Für jede neue intensivmedizinische Behandlungseinheit mit künstlicher Beatmung sollen Kliniken 50 000 Euro Bonus bekommen (die Kliniken kalkulieren mit Kosten von 85 000 Euro). Um Mehrkosten etwa bei Schutzausrüstung aufzufangen, soll es außerdem einen Zuschlag von 50 Euro je Patient geben.

Das Ziel, den Krankenhäusern schnell und unbürokratisch die dringend benötigte Liquidität zu verschaffen, werde mit dem Gesetzentwurf verfehlt, findet die Saarländische Krankenhausgesellschaft. „Jetzt haben wir die Corona-Krise, danach kommt die Krankenhauskrise“, sagt Geschäftsführer Thomas Jakobs. Weder würden die durch die Krise bedingten Mehrkosten gedeckt noch die Einnahmeausfälle kompensiert. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den 22 saarländischen Krankenhäusern empfänden diesen Gesetzentwurf als Schlag ins Gesicht. Es könne nicht sein, dass sie Angst um ihre Löhne und Gehälter haben müssten.

Besonders stört die Krankenhaus-Chefs, dass in der Corona-Krise an der komplizierten Abrechnungssystematik festgehalten werden soll. „Wir haben keine Zeit für umfangreiche Dokumentationen und den immensen Aufwand, den eine ordentliche Krankenhausrechnung verlangt“, erklärte der SKG-Vorsitzende Manfred Klein. Viele Kliniken hätten bereits Ärzte und Pfleger, die zu normalen Zeiten als medizinische Experten den Kaufleuten in der Krankenhausverwaltung bei der Erstellung von Rechnungen zur Seite stehen, in die Patientenversorgung geschickt. Es sei absurd, diese jetzt wieder an die Schreibtische zurück zu rufen.