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Kitas im Saarland fühlen sich kurz vor dem Start der Lolli-Tests alleingelassen

Personalmangel und keine Testkits : Kitas im Saarland fühlen sich kurz vor dem Start der Lolli-Tests alleingelassen

Kurz vor dem Start der Lolli-Tests in Kitas im Saarland gibt es noch viele offene Fragen zur Umsetzung. Wer führt die Tests durch? Und woher kommen die Tests eigentlich? Die Einrichtungen klagen über das Gesundheitsministerium und fühlen sich alleingelassen.

In den Kitas im Saarland sollen ab Dienstag Lolli-Tests zum Einsatz kommen. Kinder ab drei Jahren sollen freiwillig getestet werden – unter Aufsicht von geschultem Personal. Allerdings gibt es noch offene Fragen was die Umsetzung betrifft. Viele Einrichtungen berichten, dass sie aktuell noch keine Klarheit darüber hätten, was nächste Woche werden wird. Einige Eltern seien wegen der Herbstferien nicht erreichbar und hätten sich nicht äußern können, ob ihre Kinder überhaupt getestet werden sollen. Und wenn ja, in den Kitas per Lolli, oder ob die Eltern selbst ihren Nachwuchs mit den bekannten Stäbchen-Tests Zuhause testen?  Das Land stellt die Tests kostenlos zur Verfügung – in der Kitas die Lolli-Tests, für die Eltern zur Anwendung zu Hause die bekannten nasalen Tests. „Die Testungen sind freiwillig und können wahlweise durch die Eltern zu Hause oder bevorzugt in den Kitas durchgeführt werden“, hatte das Landesjugendamt an die Einrichtungen geschrieben.

Im jüngsten Schreiben des Amts an die Kitas vom Donnerstag hieße es, dass sich Sechsjährige möglichst in den Einrichtungen testen lassen sollten, da sie dann auch eine Bescheinigung erhielten, die sie im Zuge der Testpflicht für Freizeitaktivitäten nutzen können. „Damit sollen Kitas ergo fachfremde Aufgaben übernehmen, die eigentlich in die öffentliche Hand gehören“, kritisieren die Fachkräfte.

Ein Problem, das die Testungen erstmal ausbremsen könnte: Personalmangel. Viele Träger berichten, dass nicht ausreichend geschulte Kräfte zur Verfügung stünden, die die Tests bei den Kleinen vornehmen können. Auch die Testkits selbst seien noch nicht in allen Einrichtungen eingetroffen.

„Das Gesundheitsministerium hat beim Thema Kita-Testungen mehr Fragezeichen produziert als Fragen auszuräumen“, sagt Martina Holzner, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im saarländischen Landtag. Kita-Fachkräfte seien besorgt, weil sie den Zeitaufwand und die Verantwortung fürchten. „Es ist bedauerlich, dass man nicht im Vorfeld den Kontakt zu den Kita-Verbänden gesucht hat, um möglichst einfache und pragmatische Lösungen für die Testangebote zu suchen“, kritisiert Holzner. Sie zweifelt auch, dass ein Lernvideo zur Schulung der Fachkräfte, wie sie Tests beaufsichtigen sollen, ausreichend sei. „Schnellstmöglich“ sollte das Gesundheitsministerium Klarheit für die Kita-Träger schaffen, wie sie die Testungen organisieren und die Zertifikate ausstellen könnten. „Es darf nicht sein, dass der Organisationsaufwand zur Aushöhlung der eigentlichen pädagogischen Arbeit führt. Deshalb sollten so viele Testungen wie möglich von zu Hause durchgeführt werden.“ Außerdem sollte das Ministerium die Träger mit der Anwerbung von Testpersonal nicht alleine lassen. Holzner schlägt vor, Beschäftigte aus den Landestestzentren heranzuziehen.

Das schlägt auch das Grüne Bündnis Saar vor. Statt das „wenige vorhandene Fachpersonal“ mit organisatorischen Aufgaben zu belasten, sei es sinnvoller, etwa die frei werdenden personellen Ressourcen aus den Testzentren zu nutzen. In den Kitas seien die Folgen der Pandemie „massiv“ zu spüren. Schon vorher sei der Bildungsauftrag aufgrund schlechter Personalsituation und des „unzureichenden Personalschlüssels“ oft zu kurz gekommen. „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Landesregierung dem Thema frühkindliche Bildung nicht den Stellenwert zukommen lässt, der ihm gebührt“, sagt Barbara Klein-Braun vom Grünen-Ortsverband Sulzbach. „Wer Testungen beaufsichtigt, kann nicht gleichzeitig in der frühkindlichen Bildung aktiv sein“, ergänzt Esther Woll vom Ortsverband Überherrn.