#KitasAmLimit Kita-Fachkräfte im Saarland beteiligen sich an bundesweitem Protest

Saarbrücken · Zu viel Bürokratie, zu wenig individuelle Förderung: „So geht es nicht mehr weiter.“ Unter den Hashtags #Kitasamlimit, #esreicht und #unslangts machen Erzieherinnen und Erzieher auch im Saarland ihrem Ärger Luft.

Kita-Kräfte im Saarland beteiligen sich an bundesweiter Protestaktion
Foto: dpa/Monika Skolimowska

Sie seien am Limit – und kein Ende sei in Sicht. Bundesweit machen Kita-Fachkräfte auf schlechte Rahmenbedingungen aufmerksam. Begonnen hat alles in Nordrhein-Westfalen, nach und nach schlossen sich Beschäftigte in anderen Bundesländern an. Unter den Hashtag #kitasamlimit, #esreicht und #unslangts protestiert das Personal aus den Kitas. Auch der Verband der Kita-Fachkräfte Saar beteiligt sich an der „Protestwelle“, wie deren Vorsitzende Susanne Kunz nun mitteilt.

 Die Gewerkschaft Verdi hat derweil zu einer ähnliche Aktion aufgerufen. Wenn Gewerkschaften, Kita Fachkräfteverbände und weitere Aktivisten „auf die gleichen Missstände hinweisen, begreift die Politik hoffentlich, dass nicht nur ein bestimmtes Klientel oder immer die Gleichen Kritik üben, sondern die Praxis vor Ort gemeinsam um Hilfe ruft und nicht mehr bereit ist so weiterzumachen“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von zehn Verbänden aus dem gesamten Bundesgebiet. „Sowohl die Personalsituation, als auch die schlechten Rahmenbedingungen, auf die immer wieder aufmerksam gemacht wird, führen unter den Kita-Fachkräften zu Frust und Ärger. Die Pandemie tut ihr Übriges, indem sie den Krankenstand in die Höhe treibt und die Gesundheit von Kindern, Personal und Familien bedroht“

 Die Aktion soll bundesweite Aufmerksamkeit erregen. Kitas seien keine „Aufbewahrungsstätte“ für Kinder. „Wir unterstützen Kinder in ihrem Handeln und legen den Grundstein für ihren weiteren Werdegang. Wir sind eine Bildungsstätte und das Sprachrohr der Kinder. Wir wollen mit ihnen lachen und Spaß haben, auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihre Individualität sehen“, heißt es weiter.

Doch es fehle an Kapazität, Zeit und Personal. Die Verbände verweisen auf Zahlen der Agentur für Arbeit vom Januar. Demnach kämen auf 100 freie Stellen 79 Fachkräfte. Im Jahr 2010 seien es noch 253 Fachkräfte gewesen. „Immer mehr Fachkräfte verlassen ihren Beruf und orientieren sich neu. Der Fachkräftemangel verstärkt sich weiter“, betonten die Verbände.

 Derweil würden Kita-Leitungen in Bürokratie „versinken“ und hätten kaum noch die Chance, sich um pädagogische Aufgaben zu kümmern. „Die gesunden Fachkräfte in den Gruppen fangen die Krankheitswelle auf, arbeiten teilweise alleine mit bis zu 25 Kindern und verletzen damit regelmäßig die Aufsichtspflicht.“  Von fachgerechter Dokumentation und individueller Förderung „ist schon lange keine Rede mehr“. Immer mehr Gruppen müssten geschlossen werden, da vermehrt das Personal erkranke, aufgebe oder Stellen gar nicht erst besetzt seien. „So geht es nicht mehr weiter.“

 Erst im Januar hatte der saarländische Landtag das neue „Saarländische Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsgesetz“, kurz SBEBG, verabschiedet. Das Gesetz aus dem Haus von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) sieht einen verbesserten Betreuungsschlüssel vor, außerdem die Möglichkeit, etwa Sozialpädagogen, Kinderkrankenpfleger oder Heilerziehungspfleger anzustellen.  Unter Gewerkschaften und Fachkräften ist das neue Gesetz umstritten. So hatte der Verband der Kita-Fachkräfte Saar mehrfach erklärt, die in Aussicht gestellten Mittel reichten bei weitem nicht aus, um wie geplant die Qualität in den Kitas zu verbessern. Lediglich die Personalbemessung würde gesetzlich verankert. „Dadurch wird es in den Kitas keine einzige Stunde mehr Verfügungszeit geben, keine einzige Stunde mehr an Bildungsqualität und keine einzige Stunde mehr an Chancengleichheit“, hatte der Fachkräfte-Verband im Saarland und Vorsitzende Susanne Kunz kritisiert.