Karsten Dümmel ist neuer Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung

Rhetoriker Karsten Dümmel : Stasi-Opfer leitet Konrad-Adenauer-Stiftung Saar

Karsten Dümmel, geboren in Zwickau, wurde 1987 von der Bundesrepublik freigekauft. Seit Jahresbeginn ist er der neue Leiter der KAS.

Aufgewachsen in der DDR und als Regimegegner von der Stasi jahrelang geknechtet, wurde er im Zuge des Honecker-Besuches 1987 im Saarland von der Bundesrepublik freigekauft und kam noch vor der Wiedervereinigung in den Westen: Jetzt ist der mittlerweile 58-jährige promovierte Rhetoriker und renommierte Experte für politische Bildungsarbeit, Karsten Dümmel, das neue Gesicht der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Gesellschaft (KAS) im Saarland. Seine Arbeitsschwerpunkte für die Stiftung im ersten Halbjahr 2019: Europa und Kommunen. Dazu will der mit einer Französin verheiratete und in Lothringen wohnende Dümmel eigene deutsch-französische-Freundschaftsakzente setzen und seine internationale Erfahrung von Tätigkeiten in Polen, den USA, Afrika und Bosnien-Herzegowina einbringen.

Geboren 1960 in Zwickau trug Dümmel  – auch Schriftsteller, PEN-Mitglied und Autor verschiedener Bücher wie „Identitätsprobleme in der DDR“ und „Was war die Stasi ?“ – als Kind noch das obligatorische Halstuch der Pioniere in der FDJ, wurde Mitglied des Mal- und Grafikerkreises „Junge Talente“ in Gera mit eigenen Ausstellungen, geriet aber schon bald als langhaariger Besucher von Rockkonzerten und angeblicher Zerstörer von DDR-Antennen in die Fänge der Stasi-Beobachter. Er begann eine Lehre als Elektromonteur im Uranbergbau und gründete den Arbeitskreis „Kunst und Kirche“, der ein Jahr später von der Stasi aufgelöst wurde.

In jungen Jahren erlebte Dümmel mit eigenen Augen die damaligen DDR-Machthaber Walter Ulbricht und Erich Honecker. „Aber weder zum Jubeln noch zum Winken zu ihnen, war ich bereit“, sagt er. Von Konrad Adenauer, dem ersten CDU-Bundeskanzler, sei in den DDR-Schulen nur gelehrt worden, er sei Verhinderer der deutschen Wiedervereinigung und habe Ex-Nazis in seinem Kabinett. „Die positiven Aspekte der Adenauer-Zeit wie Westanbindung, Versöhnung, Israel, Frankreich, Menschenrechte und christliche Werte habe ich dort in der Schule nie gehört.“ Als 18-Jähriger trat Dümmel aus der FDJ und der FDGB-Gewerkschaft aus, besuchte das Abendgymnasium in Gera und machte Abitur. Mehrere Bewerbungen von ihm für ein Studium der Literaturwissenschaften in der DDR scheiterten aus politischen Gründen. Er übernahm dann die Leitung von Literatur-, Friedens- und Menschenrechtsarbeitskreisen des evangelischen Gemeindezentrums Gera und stellte 1983 seinen ersten Antrag auf „ständige Ausreise aus der DDR“. 56 weitere Anträge folgten, wurden aber abgeschmettert.

Dümmel wurde stattdessen von der Stasi als Fensterputzer und Nachtreiniger in Zügen verpflichtet, kam 1985 als Staatsfeind kurzzeitig in U-Haft und danach über viele Jahre in Gera unter Stadt- und Hausarrest. Erst im Zuge des Honecker-Besuches vom 7. bis 11. September 1987 in Bonn und im Saarland wurde er zusammen mit über 1000 anderen politischen Häftlingen von der Bundesregierung freigekauft. Es sollte wohl so etwas wie ein Gastgeschenk des im saarländischen Wiebelskirchen geborenen Honeckers an seine Heimat sein, vermutet Dümmel. „Der Durchschnittswert zur damaligen Zeit war pro Häftling 100 000 bis 140 000 Mark und ich nehme an, genau das ist in Form von Warenwerten in die DDR geflossen.“

Im Westen kam Dümmel zunächst zur zentralen Aufnahmestelle nach Gießen. Von 1988 an lebte, studierte und promovierte er dann in Tübingen. Gleich danach, seit 1997, ist er in der politischen Erwachsenenbildung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) tätig. Seinen ersten Stationen Leipzig (nach der Wende), Stuttgart und Hamburg folgten Tätigkeiten als Gastdozent in den USA sowie als KAS-Landesbeauftragter in Afrika sowie zuletzt in Bosnien-Herzegowna. Dort wurde Dümmel schon 2015 vom Interreligiösen Rat als „Botschafter des Friedens“ ausgezeichnet. Im Juni 2019 will er den Berater für den EU-Beitritt Bosnien-Herzegowinas zur KAS ins Saarland holen und im Herbst plant er bereits eine Veranstaltung mit der Autorin Doris Liebermann und dem DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin sowie der Deutsch-Polnischen Gesellschaft.

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