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Kanzlerin Merkel warnt Saarland vor Lockerungen direkt nach Ostern

Corona-Pandemie : Kanzlerin Merkel warnt Saarland vor Lockerungen direkt nach Ostern

Das Saarland will am 6. April Außengastronomie, Kinos und Fitnessstudios öffnen. Die Kanzlerin hält die Ankündigung für „sehr gewagt“ – und droht den Ländern unverhohlen mit einem Einschreiten des Bundes, um geplante Lockerungen notfalls zu stoppen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die für den 6. April angekündigten Lockerungen im Saarland scharf kritisiert. Die Fallzahlen im Saarland seien nicht stabil, sondern wachsend. „Und deshalb ist die Grundlage nicht gegeben“, sagte sie am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“.

Es sei vereinbart worden, dass Öffnungsschritte, wie das Saarland sie nun plant, nur bei stabilen oder sinkenden Infektionszahlen in Aussicht gestellt werden. Dies sei in den letzten Tagen aber nicht der Fall. „Und deshalb ist es nicht der Zeitpunkt, so etwas jetzt ins Auge zu fassen.“

Merkel sprach von einer „sehr gewagten Ankündigung (…) in eine psychologische Situation hinein, wo ja eigentlich das Gegenteil gemacht werden muss“. Deshalb sei sie „nicht so glücklich darüber“. Wenn die Infektionszahlen im Saarland runtergehen würden, wäre eine Öffnung aus ihrer Sicht voll von der Öffnungsstrategie gedeckt – sie gingen aber nicht runter.

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt im Saarland inzwischen bei 81. Vor einer Woche lag sie noch bei 65. Grundsätzlich sollen die Öffnungen im Saarland in Kraft treten, wenn die Inzidenz unter 100 liegt. Allerdings hat die Landesregierung bereits angekündigt, dass es keine scharfe Notbremse geben wird, wenn sich Infektionen in einem bestimmten Bereich konzentrieren.

Merkel übte in der Sendung massiven Druck auf die Länder aus, um diese angesichts der dritten Corona-Welle zum Umsetzen der Notbremse und noch schärferer Maßnahmen zu bewegen. Dabei nannte sie ausdrücklich auch Ausgangsbeschränkungen in Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen.

„Ausgangsbeschränkungen können ein ganz wirksames Mittel sein.“ Merkel sprach sich gegen eine vorgezogene neue Ministerpräsidentenkonferenz aus, betonte aber, sie werde nicht zuschauen, bis es 100 000 Neuinfektionen am Tag gebe.

Merkel deutete auch an, dass der Bund tätig werden könnte, wenn die Länder nicht die nötigen Maßnahmen ergreifen sollten. „Wir müssen mit einer großen Ernsthaftigkeit jetzt die geeigneten Maßnahmen einsetzen. Und einige Bundesländer tun das, andere tun es noch nicht.“ Wenn das nicht „in sehr absehbarer Zeit“ geschehe, müsse sie sich überlegen wie sich das vielleicht auch bundeseinheitlich regeln lasse. „Das ist mein Amtseid, das ist meine Verpflichtung.“ Eine Möglichkeit sei, „das Infektionsschutzgesetz noch mal anzupacken und ganz spezifisch zu sagen, was muss in welchem Fall geschehen“.

Merkel betonte, sie denke darüber noch nach und habe sich noch nicht abschließend entschieden. Außerdem seien für alle Entscheidungen am Ende Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat erforderlich. Bund und Länder müssten zusammen handeln. „Wir können nichts ohne einander beschließen“. Aber: „Wir sind verpflichtet, qua Gesetz, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Und im Augenblick ist die Eindämmung nicht da.“

Merkel nannte die nächtliche Ministerpräsidentenkonferenz vom vergangenen Montag auf den Dienstag mit dem dann schnell wieder zurückgezogenen Beschluss einer Osterruhe eine „Zäsur“ und betonte: „Da kann es jetzt nicht einfach so weitergehen, wir treffen uns alle vier Wochen und machen das genauso weiter.“ Das sähen auch viele Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten so. Sie sei hier mit dem Nachdenken aber noch nicht am Ende.

Merkel sagte, die Anfang März vereinbarten stufenweisen Öffnungsschritte seien ein Kompromiss gewesen. „Ein Kompromiss mit Treu und Glauben darauf, dass die Notbremse auch wirklich umgesetzt wird. Wenn sie das jetzt nicht wird, ist das sozusagen ein Verstoß gegen die Beschlüsse, die wir getroffen haben.“

Die bisherigen Beschlüsse mit den Ministerpräsidenten böten alle notwendigen Instrumente, sagte Merkel. Sie verwies auf weitere Kontaktbeschränkungen, Ausgangsbeschränkungen und die Verpflichtung der Arbeitgeber, wo immer möglich Homeoffice anzubieten. Mit Blick auf das Saarland, wo nach Ostern das gesamte Land geöffnet werden soll, verwies Merkel darauf, dass dort die Infektionszahlen nicht stabil seien. „Deshalb ist das nicht der Zeitpunkt, jetzt so was ins Auge zu fassen.“