Journalistin Anja Reschke in Homburg mit Siebenpfeiffer-Preis ausgezeichnet

Journalistin Reschke mit Siebenpfeiffer-Preis ausgezeichnet : Preis für „Rückgrat, Mut und Stärke“

Die Journalistin Anja Reschke hat in Homburg für ihr Engagement für die Meinungsfreiheit den Siebenpfeiffer-Preis erhalten.

Am 5. August 2015 wandte sich die ARD-Journalistin Anja Reschke in einem deutlichen Kommentar in den Tagesthemen gegen die, die dem damaligen Zustrom von Flüchtlingen mit Hass, vor allem auch in den sozialen Medien begegneten. Reschke selbst wurde in der Folge selbst Ziel massiver Anfeindungen und Bedrohungen. Am Sonntag nun erhielt sie in Homburg den Preis der Siebenpfeiffer-Stiftung – als Würdigung dafür, nicht nur 2015 Haltung gezeigt zu haben im Kampf für die Demokratie und Pressefreiheit in Deutschland.

Thomas Kleist, der Intendant des Saarländischen Rundfunks, begründete als Vorsitzender der Jury des Siebenpfeiffer-Preises die Entscheidung des Gremiums für Reschke als Preisträgerin mit einem Auszug aus der formellen Begründung so: „Anja Reschke steht wie kein anderer Bewerber und keine andere Bewerberin im Jahr 2019 für die Ideale von Siebenpfeiffer.“ Die Jury, so Kleist weiter, sehe Anja Reschke als Kämpferin gegen die moderne Form der Zensur – die Bedrohung der Meinungs-, Presse- und Rundfunkfreiheit durch „Hater“ und Trolle im Netz. „Anja Reschke zeigt seit Jahren durch ihre journalistische Arbeit Rückgrat. Ihre Haltung beinhaltet Mut und Stärke und fordert uns dazu auf, uns auf unser Grundgesetz zu besinnen, das in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert.“

Auch Reschkes Laudatorin, die frühere WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich, würdigte das Streben der Preisträgerin nach journalistischer Wahrheit und Klarheit in Zeiten von Fake News, Hassreden im Netz und dem Ringen um Informationstreue auf allen Informationskanälen. Dafür, verdeutlichte Mikich, brauche man Journalisten wie Anja Reschke. „Weil sie das Falsche, die Lüge klar ansprechen. Weil sie – auf allen Verbreitungswegen – Macht ausleuchten. Sie nehmen sich Zeit für Recherche. Sie sammeln, sie ordnen ein, sie geben Orientierung. Sie durchwühlen Aktenberge, studieren die Rechtslage, treffen sich mit Whistleblowern und Informanten, konfrontieren jene, die für Misstände stehen.“

Was am Sonntag in den Reden von Kleist, Mikich und natürlich auch Reschke deutlich wurde: Gerade der Vorwurf der „Lügenpresse“ aus rechten Kreisen sei ein echter Angriff auf die Demokratie. Mit am deutlichsten wurde da in ihrer Rede Anja Reschke selbst. „Ich habe das lange abgetan als Wort, das verleumderisch benutzt wird, um uns Journalisten zu diskreditieren. Aber es ist mehr. Es ist der Kern einer Verschwörungstheorie.“ Wer glaube, die Presse sei gesteuert, der mache sich zu Gehilfen derer, die ein anderes Land wollten. Vor allem in den Netzwerke verbreite sich, so Reschke, die Erzählung, dass Deutschland eine Diktatur sei wie Nordkorea, „also ein Land, in dem man nicht sagen darf, was man denkt, eine Diktatur der Meinung – um den Bevölkerungsaustausch zu organisieren, mit der Waffe der Migration.“ Dies höre man wortwörtlich von AfD-Verantwortlichen wie Alexander Gauland und Björn Höcke, „hören Sie denen mal zu. Und wann immer man mit denen spricht, die gegen die Regierung und gegen die Medien sind, also mit den ‚besorgten Bürgern‘, dann kommt als Begründung die Angst vor Überfremdung und vor Medien, die all das verschweigen würden, immer.“ Um das zu fördern dienten neben Fake News auch Hate Speech und Verleumdungen – um so die Medien als vermeintliche Propaganda-Apparate darzustellen und ihnen die Glaubwürdigkeit zu nehmen. „Das geschieht permanent.“ So würden öffentliche Debatten gezielt manipuliert. Reschke rückte auch das Verhalten der Medien im Umgang mit rechtem Extremismus in den Fokus und machte mit einem Rückgriff auf den deutschen Schriftsteller Carl von Ossietzky (1938 Opfer des Nazi-Terrors) klar: Schon die Bereitschaft der Presse, auf faschistische Ideologien einzugehen, sei die Kernschmelze der Vierten Gewalt.

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