Immer mehr Datenpannen im Saarland

Neuer Bericht der Datenschutzbeauftragten : Immer mehr Datenpannen im Saarland

Der Verlust von Daten wird im Saarland immer häufiger gemeldet. Auch Hackerangriffe nehmen zu. Das geht aus dem neuen Datenschutzbericht des Landes hervor.

Der 25. Mai 2018 hat die Arbeit von Monika Grethel, der Datenschutzbeauftragten des Saarlandes, erheblich verändert. An diesem Tag trat nämlich die Datenschutz-Grundverordnung, kurz: DSGVO, in Kraft. Mit vielen Folgen. So müssen seitdem zum Beispiel Datenpannen binnen 72 Stunden bei den zuständigen Stellen gemeldet werden – im Saarland dem Datenschutzzentrum in Saarbrücken, Grethels Behörde.

Monika Grethel und ihre Mitarbeiter haben zwischen Mai und Dezember des vergangenen Jahres 77 Datenpannen im Saarland registriert. Und in diesem Jahr sind es bereits 70 Meldungen. Zum Vergleich: Im Zeitraum von Januar 2017 bis Mai 2018, sprich: vor Geltung der DSGVO, waren es lediglich vier gemeldete Pannen, wie Grethel gestern mitteilte, als sie den neuen Tätigkeitsbericht des Datenschutzzentrums vorstellte.

Zu den Datenpannen gehören beispielsweise falsch zugestellte Arztberichte, auf Dienstreisen verlorene Mobiltelefone und Laptops sowie Angriffe auf Computersysteme von Unternehmen. Vor allem Hackerattacken kommen nach Angaben von Grethel in letzter Zeit immer häufiger vor. Die Firmen berichten dann etwa, dass sie nach Cyberattacken gar nicht mehr auf ihre Daten zugreifen können. Wie viele Cyberangriffe es exakt gibt, erfasst die Statistik des Datenschutzzentrums jedoch nicht.

Neben Datenpannenmeldungen erreichte die Behörde seit Mai 2018 noch eine „Welle“ (Grethel) weiterer Anfragen und Beschwerden, sowohl schriftlich als auch telefonisch. Sie kamen von Vereinen, Firmen, Behörden und verunsicherten Bürgern.

Viele Anfragen betrafen in den vergangenen Monaten den namentlichen Aufruf von Patienten in Arztpraxen. Dieser sei datenschutzrechtlich nach wie vor zulässig, stellt Monika Grethel klar. Jedoch sollten Arztpraxen heikle Situationen vermeiden – wie etwa im Fall eines Patienten, dessen ungünstige Diagnose durch die Unachtsamkeit der Arzthelferin das ganze Wartezimmer mithören konnte.

Die DSGVO ist laut Datenschutzbericht nach wie vor eine „gewaltige Belastungsprobe“ für das Datenschutzzentrum. „Im vergangenen Jahr hatten wir 13 Stellen und waren damit relativ schlecht aufgestellt“, räumt die Datenschutzbeauftragte ein. Doch mittlerweile habe man sich deutlich verbessert. Derzeit gebe es 19 Stellen. Doch weil sie künftig mit einem Aufgabenzuwachs für das Datenschutzzentrum rechnet, hofft sie auf noch mehr Personal. Außerdem plant sie eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und mit dem Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (CISPA). Es habe zwar schon Gespräche gegeben, bisher allerdings ohne konkrete Ergebnisse.

Monika Grethel, Datenschutzbeauftragte des Saarlandes Foto: LfDI. Foto: LFDI

Auch wenn die DSGVO für große Verunsicherung und Verwirrung gesorgt hat, etwa bei Handwerkern und Vereinen, gewinnt Monika Grethel der Verordnung auch Positives ab. Das Thema Datenschutz beschäftige jetzt immer mehr Menschen, und auch die Unternehmen seien sensibler geworden. Positiv sieht sie auch eine andere Entwicklung: Es gibt immer mehr Workshops, um Kinder und Jugendliche für den Datenschutz zu sensibilisieren. Zuletzt haben Grethel zufolge 5000 Grundschulkinder und 10 000 Schüler von weiterführenden Schulen die Workshops besucht.

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