Hochschulen im Saarland stellen sich auf drittes Geschlecht ein

Kostenpflichtiger Inhalt: Intersexualität an Universitäten : Hochschulen stellen auf drittes Geschlecht um

Männlich, weiblich, divers: Mit geschlechterneutralen Formularen und Unisex-Toiletten reagieren die vier Saar-Hochschulen auf das dritte Geschlecht.

Das dritte Geschlecht soll Einzug in die saarländischen Hochschulen halten. So soll im Rahmen des geplanten neuen Campus-Management-Systems (CMS) für die vier Hochschulen (Universität des Saarlandes, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Hochschule für Musik Saar (HfM), Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK)) das dritte Geschlecht bei Formularen wie etwa der Immatrikulation berücksichtigt werden. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Barbara Spaniol hervor.

Wer sich bislang etwa an der Saar-Uni einschreiben will, kann auf dem Online-Formular nur zwischen „männlich“ und „weiblich“ wählen. Doch mit einem entsprechenden Nachweis – etwa dem Ergänzungsausweis namens „dgti“ (das ist ein vom Bundesinnenministerium bestätigtes zusätzliches Ausweisdokument, den die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität ausstellt) – können Studierende heute schon Formulare und die E-Mailadresse entsprechend ändern lassen.

Seit dem 22. Dezember 2018 gibt es die Möglichkeit, im Personenstandsregister neben „männlich“ oder „weiblich“ die Angabe „divers“ eintragen zu lassen. Damit sind intersexuelle Personen gemeint, die sich nicht einem Geschlecht zuordnen lassen (wollen). Einige von ihnen lehnen den Begriff „drittes Geschlecht“ allerdings ab. Im Oktober 2017 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die bisherige Pflicht, einen Menschen dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen, gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot verstoße.

„Die Hochschulen sehen sich in der Verantwortung zum Schutz der geschlechtlichen Identität ihrer Studierenden“, heißt es in der Antwort der Landesregierung. Sie stünden einer Anpassung der Geschlechterbezeichnung in Ausweisen und Dokumenten offen gegenüber. Stellenanzeigen würden zudem bereits geschlechtsneutral ausgeschrieben, in dem sie die Bezeichnung „m/w/d“ (männlich/weiblich/divers) führen. Die Saar-Uni habe im Dezember 2018 eine Handreichung zum gendersensiblen Sprachgebrauch veröffentlicht, die von der Gleichstellungsbeauftragten mit dem Unipräsidenten und dem Vizepräsidenten für Verwaltung und Wirtschaftsführung verabschiedet wurde. Die HTW verzichte, soweit dies möglich ist, auf die Geschlechtsangabe. „Wo dies nicht möglich ist, wird schrittweise die Angabe einer weiteren Option angestrebt“, heißt es. HfM und HBK hätten sich „die Prüfung und die Umsetzung von Änderungsbedarfen zur Aufgabe gemacht“. An der HfM sei diesbezüglich auch eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden.

Bislang sieht die Arbeitsstättenverordnung nur eine Kennzeichnung „männlich“ und „weiblich“ für Toiletten vor. Doch eine Änderung der Verordnung stehe aus. Bei Neubauten an der Saar-Uni seien Unisex-Toiletten, die von allen Menschen, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität, genutzt werden können, vorgesehen. Behindertentoiletten seien bereits für alle zugänglich. An der HTW seien Unisex-Toiletten angedacht, ein entsprechendes Konzept soll der Personalvertretung zur Mitbestimmung demnächst vorgelegt werden. HfM und HBK wollen sich an der neuen Arbeitsstättenverordnung orientieren. Sollte eine Entscheidung für geschlechterneutrale oder zusätzliche Toiletten getroffen werden, müssten Umbauten geprüft werden.

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