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Hilft Heuschnupfen-Spray Pollival aus dem Saarland gegen Corona?

Klinische Studie läuft : Anti-Corona-Medikament aus dem Saarland rückt näher

Ein Nasenspray von Ursapharm, das gegen Heuschnupfen hilft, könnte auch gegen das Coronavirus wirken. An der Uniklinik in Köln wird das ab sofort überprüft.

Die Corona-Pandemie treibt die Pharma-Industrie zu neuen Höchstleistungen. Rund um den Globus arbeiten große Konzerne und Mittelständler daran, Medikamente gegen das Coronavirus auf den Markt zu bringen. Darunter ist auch das Saarbrücker Unternehmen Ursapharm mit seinen rund 800 Mitarbeitern. Geht der Plan der Saarbrücker Pharmazeuten auf, steht zur Bekämpfung der Corona-Pandemie bald ein Nasenspray zur Verfügung. Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) hatte bereits im Januar gesagt, das Nasenspray stehe kurz vor der Zulassung. Einen Zeitpunkt kann niemand nennen.

Die Forscher von Ursapharm haben kein ganz neues Arzneimittel entwickelt. Sie setzen darauf, dass das seit Jahren zugelassene Nasenspray Pollival, das zur Behandlung von allergischem Heuschnupfen angewendet wird, auch Wirkung gegen das Coronavirus zeigt. Das Spray, das in der Ursapharm-Zentrale an der B51 zwischen Güdingen und Bübingen hergestellt wird und nicht verschreibungspflichtig ist, enthält den Wirkstoff Azelastin, der zu den sogenannten Antihistaminika gehört.

Aus Sicht des Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr ist es „generell ein extrem guter Ansatz“, Medikamente zu testen, die bereits gegen eine andere Krankheit zugelassen. „Wir brauchen ganz dringend Medikamente, um Infizierte behandeln zu können.“ Die Entwicklung jenseits der Impfstoffe mit öffentlichen Geldern zu fördern, sei sträflich vernachlässigt worden.

In einer klinischen Studie am Universitätsklinikum Köln wird ab sofort an Patienten getestet, ob mit dem Ursapharm-Nasenspray bereits in der Frühphase einer Infektion die Viruslast der Nasenschleimhaut gesenkt werden kann. Präklinische Untersuchungen mit Zellkulturen stimmen die Experten optimistisch.

„Wir sind guter Hoffnung, dass wir die Studie gegen Ende März abschließen können“, sagt Dr. Peter Meiser, der Leiter medizinische Wissenschaft Allgemeinmedizin bei Ursapharm. Gemeinsam mit Dr. Michael Flegel, dem Leiter Geschäftsentwicklung und Projektmanagement bei Ursapharm, spricht er von einer „Mannschaftsleistung“, die nun zur klinischen Studie geführt hat.

Getestet wird das Nasenspray an der Kölner Uniklinik an 90 Corona-positiven Patienten. Ein Drittel bekommt das Pollival-Nasenspray in der üblichen Dosierung, ein weiteres Drittel in einer deutlich niedrigeren Dosierung, um zu sehen, ob das vielleicht schon reicht. Das letzte Drittel erhält ein Placebo-Nasenspray. Täglich wird den Probanden ein Nasen-Rachen-Abstrich genommen, um die Viruslast der Nasenschleimhaut zu messen.

Infrage käme das Medikament laut Meiser für eine Therapie in einem frühen Stadium, um das Virus bereits in der Nase zu stoppen. „Wir wollen erstmal zeigen, dass durch das Arzneimittel die Viruslast gesenkt werden kann“, sagt Meiser. „Wenn sich die Reduktion der Virenlast bestätigt, ist zu erwarten, dass auch die Übertragungswahrscheinlichkeit verringert und der Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst wird“, erklärte das Unternehmen.

Die Pharmazeuten um Meiser und Flegel (die übrigens beide an der Saar-Uni studiert haben) denken bereits an den nächsten Schritt: „Wenn wir wissen, dass das Mittel das Virus in der Nase inaktivieren kann, ist es plausibel, dass es auch prophylaktisch verwendet werden kann“, sagt Meiser.

Bei der Vorbereitung der klinischen Studie arbeitete Ursapharm mit dem Biotechnologie-Unternehmen Cebina aus Wien zusammen. Die Österreicher waren es, die das Potenzial des im Nasenspray enthaltenen Wirkstoffs Azelastin entdeckten. Unabhängige Forschergruppen bestätigten nach Unternehmensangaben, dass der Wirkstoff schon in geringer Konzentration eine „sehr potente Hemmwirkung“ gegen das SarsCoV-2-Virus hat. „Das lässt uns hoffen“, sagt Flegel. Ursapharm spricht sogar von einer „hochsignifikanten Reduktion der Virenlast“ im Reagenzglas.

Bestätigt sich das im klinischen Versuch am Menschen, „müssen wir schauen, dass wir schnellstmöglich die Zulassung für diese Indikation bekommen“, sagt Flegel. Diskussionen über Langzeitwirkungen und Nebenwirkungen sind dann nicht zu erwarten: Das Nasenspray ist seit Jahren im Einsatz, ein Blick in den Beipackzettel genügt.