Hebammen kämpfen für akademischen Abschluss

Bangen um neues Gesetz : Hebammen kämpfen für akademischen Abschluss

Heute entscheidet der Bundesrat über ein Gesetz, das für Hebammen eine Reform der Ausbildung vorsieht. Der Ausgang der Abstimmung ist völlig offen.

Die Ausbildung der Hebammen soll laut neuem Gesetz „akademisiert“ werden, sprich, statt des Besuchs einer Hebammenschule ist in Zukunft ein Studium (mit umfangreichem Praxisteil) vorgesehen. Schon nächstes Jahr sollte es eigentlich soweit sein. Doch plötzlich ist es fraglich, ob das Gesetz den Bundesrat passieren wird.

Damit habe niemand gerechnet, sagte Monika Bachmann (CDU), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie im Saarland dazu am Donnerstag vor der Staatskanzlei. Dort hatten sich Hebammen versammelt, um gegen die drohende Ablehnung des Gesetzes zu protestieren. So auch Anne Wiesen. Sie ist erste Vorsitzende des saarländischen Hebammenverbandes und wegen der Haltung einiger Länder im Bundesrat fassungslos: „Die Akademisierung unseres Berufs ist Vorgabe der EU, die bis 2020 durchgesetzt sein muss. Deutschland ist das letzte Land, das sie noch nicht durchgeführt hat.“ Peinlich für die Bundesrepublik – und teuer: Setzt ein Mitgliedsstaat eine solche Richtlinie nicht um, winken Strafenzahlungen an die EU. Für die Hebammen bedeutet das, dass ihre Ausbildung in anderen EU-Ländern nicht anerkannt wird. Nicht hinnehmbar, finden die jungen Hebammenschülerinnen bei der Protestaktion. „Wir möchten genauso behandelt werden wie die Hebammen anderer Länder“, sagen sie, das sei gerade wegen der Nähe zu Frankreich wichtig. Dabei denken die Frauen gar nicht ans Auswandern. Es geht vor allem um Respekt und Anerkennung der wichtigen Arbeit der Hebammen.

Kritik an den Akademisierungsplänen kommt vor allem von ärztlicher Seite. Mit der Aufwertung der Hebammenausbildung wird der fachliche Abstand zwischen Gynäkologen und Hebammen kleiner, letzere könnten plötzlich mehr Befugnisse einfordern und an Privilegien der Ärzteschaft rütteln, so wohl die Befürchtung. Dem Argument, das Gesetz würde den jetzt schon bestehenden Hebammenmangel verschärfen, erteilt Wiesen eine Absage. Schuld daran seien viel eher die teils desaströsen Arbeitsbedingungen. Bianca Derbolowsky, die seit zehn Jahren Hebamme ist, gibt auch der schwebenden Gesetzeslage die Schuld: „Alle jungen Frauen, die eventuell Hebamme werden wollen, sitzen momentan da und wissen nicht, wie es weitergeht mit dem Beruf. Die entscheiden sich dann vielleicht doch für was anderes.“ Nachwuchs, der fehlen wird.

Momentan wird die Ausbildung von den Krankenkassen bezahlt, die Finanzierung eines Studiengangs wäre allerdings Ländersache. Wohl ein weiterer Grund, weshalb einige Länder im Bundesrat ihre eigentlich schon sicher geglaubte Zustimmung plötzlich doch verweigern möchten, vermutet Wiesen. Das Saarland allerdings, versicherte Bachmann, würde auf der Seite der Hebammen stehen. Und deren Arbeitsbedingungen, so eine Hebammenschülerin, „sind ja auch ein Thema, das eigentlich alle betrifft.“

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