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Grippewelle
In dieser Saison wütet die Grippe nicht so stark

 Im Vergleich zu den besonders heftigen Grippewellen in den Vorjahren verlief diese Saison bisher relativ moderat. Rund 400 Saarländerinnen und Saarländer litten an der Influenza. 
Im Vergleich zu den besonders heftigen Grippewellen in den Vorjahren verlief diese Saison bisher relativ moderat. Rund 400 Saarländerinnen und Saarländer litten an der Influenza.  FOTO: dpa / Maurizio Gambarini
Saarbrücken. Erstmals wurde der Vierfach-Impfstoff von Krankenkassen bezahlt. Rund 400 Saarländer erkrankten an der Grippe. Im Vorjahr waren es dreimal so viele. Von Teresa Bauer

Das Saarland ist wie das gesamte Bundesgebiet nach Kenntnis der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes (KV) bisher glimpflich durch die Grippesaison gekommen. Eine genaue Auswertung steht aber noch aus, wie Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin mitteilt. Denn die Saison läuft noch bis Mai.


Ein Kriterium für die Schwere einer Grippewelle ist der sogenannte „Praxisindex“ – die Anzahl der grippebedingten Arztbesuche –, den die Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI ermittelt. Demnach startete die Grippewelle im Saarland und in Rheinland-Pfalz in der zweiten Kalenderwoche. Am häufigsten gingen die Menschen wegen Grippesymptomen zwischen dem 4. Februar und dem 10. März zum Arzt. Die Zahl war aber in dem gleichen Zeitraum in der Saison 2016/2017 doppelt und 2017/2018 fast dreimal so hoch.

Das Saar-Gesundheitsministerium veröffentlicht auf seiner Internetseite jede Woche eine Analyse mit aktuellen Zahlen. Darin enthalten ist auch die Anzahl, bei wie vielen Patienten durch Laboruntersuchungen Influenza-Viren nachgewiesen werden konnten. In dieser Saison gab es im Saarland seit Ende Oktober 2018 bislang 408 positive Proben. Bundesweit wurden 174 833 bestätigte Fälle an das Robert-Koch-Institut in Berlin übermittelt.



Dass die Grippesaison 2018/2019 bislang eher glimpflich verlaufen ist, liegt vielleicht auch an dem Vierfach-Impfstoff, der zum ersten Mal von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wurde. Dieser Impfstoff ist zwar seit der Saison 2013/2014 verfügbar, war bis April vergangenen Jahres allerdings keine Kassenleistung. Da erst hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass der Vierfach-Impfstoff für diese Grippesaison verbindlich ist. Der G-BA bestimmt Richtlinien, welche medizinischen Leistungen gesetzlich Versicherte in Anspruch nehmen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit Ende 2017 eine Impfung mit dem Vierfach-Impfstoff. Der kostet nach Angaben von Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, 23 Euro und damit 4,50 Euro mehr als der Dreifach-Impfstoff, der in dieser Saison gar nicht zum Einsatz kam. „Wir haben den Eindruck, dass der Vierfach-Impfstoff besser gepasst hat“, teilt die KV Saarland auf SZ-Anfrage mit.

Rund 122 700 gesetzlich Versicherte haben sich laut KV im vierten Quartal 2018 (Oktober bis Dezember) impfen lassen. Zahlen für das erste Quartal in diesem Jahr liegen noch nicht vor. „Erfahrungsgemäß werden aber weniger ‚Nachzügler’ geimpft. Wir gehen von 6000 bis 8000 weiteren Impfungen in diesem Zeitraum aus“, so die KV.

Ein großes Problem, vor dem Apotheker und Ärzte sowohl im Saarland als auch in ganz Deutschland in dieser Saison standen: Der Impfstoff war sehr schnell aufgebraucht. Ein Grund dafür könne die heftige Grippewelle 2017/2018 und die nun höhere Impfbereitschaft in dieser Saison sein, wie Manfred Saar sagt.

Die KV rät ihren Mitgliedern daher, ihre Erstbestellung in jeder Saison nach 95 Prozent des tatsächlichen Verbrauchs des Vorjahres zu richten. „Sollte sich im Verlauf der Saison dann zeigen, dass sich mehr Patienten impfen lassen, sollte bedarfsgerecht nachbestellt werden.“