Gewerkschaft und Lehrerverband fordern kleinere Klassen im Saarland

Klassengrößen in Grund- und Gemeinschaftsschulen : Gewerkschaft und Lehrerverband fordern kleinere Klassen im Saarland

Das saarländische Bildungsministerium verkleinert im nächsten Schuljahr die fünften Klassen der Gemeinschaftsschulen mit gebundenem Ganztag. Gewerkschaft und Lehrern reicht das nicht.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht sich für kleinere Klassen im Saarland aus – sowohl in allgemeinbildenden und weiterführenden Schulen als auch in Grundschulen. Auch der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) sieht Handlungsbedarf und verweist auf eine zunehmende Belastung der Pädagogen.

Für SLLV und GEW ist unverständlich, dass das saarländische Bildungsministerium ab dem kommenden Schuljahr nur die fünften Klassen der Gemeinschaftsschulen mit gebundenem Ganztag verkleinert – also Schulen, an denen nachmittags verpflichtend für alle Unterricht stattfindet. In diesen fünften Klassen (Eingangsklassen) sollen dann maximal 23 Schüler sitzen.

Bisher liegt die festgelegte Schülerrichtzahl bei 29, und zwar für fast alle Klassen und Schulen im Saarland. Ausnahme: Für Ganztagsschulen im Grundschulbereich mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht gilt der Richtwert 25.

Foto: SZ/Steffen, Michael

Weitere niedrigere Richtwerte plant das Ministerium für das nächste Schuljahr nicht und verweist auf aktuelle Zahlen: Demnach sitzen in den meisten Klassen in saarländischen Grund- und Gemeinschaftsschulen derzeit maximal 25 Schüler (siehe Grafik). Die Botschaft des Ministeriums ist: In der Realität kommen viele Klassen an die 29er Marke gar nicht heran.

Der Lehrerverband fordert dagegen den Wert 23 für alle Grund- und Gemeinschaftsschulen. Und die Gewerkschaft geht sogar noch weiter und findet: In allgemeinbildenden und weiterführenden Schulen sollte der Richtwert (der sogenannte Klassenteiler) in allen Klassen bei 23 liegen, in Grundschulklassen bei 20. „Das individualisierte und kooperative Lernen, die Inklusion und die zeitintensiven Leistungsrückmeldungen erfordern dringend kleinere Klassen“, heißt es in einer Mitteilung der GEW.

Die Gewerkschaft verweist auf Studien, nach denen in kleineren Klassen mit zirka 20 Schülern positive Effekte zu verzeichnen seien. Die Lehrer könnten sich demnach stärker einzelnen Schülern zuwenden. Davon profitierten besonders benachteiligte Kinder. Außerdem beteiligten sich Schüler häufiger aktiv am Unterricht, die Konzentration nehme zu und Störungen gingen zurück. „Positiv wirkt sich dies auch die auf die Erhaltung der Gesundheit der Lehrkräfte aus, so könnten langfristig vermehrte Krankschreibungen und Frühpensionierungen zurückgehen, die aktuell den Mangel an Lehrkräften verschärfen“, schreibt die GEW.

Der Lehrerinnen- und Lehrerverband bewertet das ähnlich und kritisiert, dass die neue 23er-Regel nur für Gemeinschaftsschulen mit gebundenem Ganztag gilt. Landesvorsitzende Lisa Brausch spricht von einer Ungleichbehandlung gegenüber Schulen mit freiwilligem Nachmittagsangebot. Den dortigen Lehrern mit großen Klassen ist die neue Regel laut Brausch „kaum vermittelbar“. Sie sieht eine „bevorzugte Behandlung der gebundenen Ganztagsschulen“.

Klassengroeßen_im_Saarland. Foto: SZ/Steffen, Michael

Das Bildungsministerium weist die Kritik zurück. Von einer Ungleichbehandlung könne keine Rede sein. Es begründet den neuen Richtwert 23 für Gemeinschaftsschulen mit gebundenem Ganztag mit einer großen Nachfrage. Die dortigen Anmeldezahlen seien „häufig verhältnismäßig höher“ als in anderen Schulen, teilt das Ministerium auf SZ-Anfrage mit. Zudem hätten Gemeinschaftsschulen mit gebundenem Ganztag „ein spezifisches pädagogisches Konzept“, das nicht mit dem Konzept von Halbtagsschulen vergleichbar sei: Die Schüler verbrächten deutlich mehr Zeit als in Halbtagsschulen miteinander. Außerdem stünde die individuelle Förderung im Vordergrund. Der künftig niedrigere Richtwert „soll die Schulen darin unterstützen, diesen besonderen pädagogischen Anforderungen besser gerecht werden“, lässt das Ministerium wissen.

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