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Gemeinschaftsschulen im Saarland streiten um Lehrerstellen

Saarbrücken : Kampf der Ganztagsschulen um Lehrerstellen entbrannt

Echte Ganztagsgemeinschaftsschule Bellevue in Saarbrücken verteidigt Zuteilung von zusätzlichen Lehrern für die Eingangsklassen.

Unter den Saarbrücker Gemeinschaftsschulen im sozialen Brennpunkt ist ein Streit um die Zuteilung von zusätzlichen Lehrerstellen entbrannt. Nachdem Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) erklärt hatte, dass er die Klassengröße für die Eingangsklassen ausschließlich der Gebundenen Ganztagsgemeinschaftsschulen (GGTS) auf 23 Schüler ab kommendem Schuljahr absenken werde, hatte die Schulleiterin der Freiwilligen Ganztagsgemeinschaftsschule Rastbachtal in Saarbrücken, Ulrike Kleer, darin eine Benachteiligung ihrer Schule festgestellt. Die Ganztagsgemeinschaftsschule Rastbachtal liege in Malstatt in einem sozialen Brennpunktgebiet. Deshalb sei der Bedarf an Pädagogen hier ebenso groß wie an den echten Ganztagsgemeinschaftsschulen, die bis 16 Uhr ein Programm mit Lehrern anbieten. Zudem seien die Anmeldezahlen mit 147 Schülern für das kommende fünfte Schuljahr an ihrer Schule ungleich höher als an den Ganztagsgemeinschaftsschulen Bellevue und Ludwigspark, so die Schulleiterin Kleer.

Dazu äußert sich jetzt der Schulleiter der echten Ganztagsgemeinschaftsschule Bellevue, Wolfgang Scholer. Scholer korrigiert die Anmeldezahlen für die fünften Klassen im neuen Schuljahr 2019/20 an seiner Schule, die der SZ vorlagen. „An unserer Schule sind bisher 88 Schüler/innen für das neue Schuljahr angemeldet, was einem Schnitt von 22 pro Klasse entspricht“, betonte Scholer. Auch für die Gemeinschaftsschule Ludwigspark seien 69 Schülern angemeldet (Schnitt 23), und nicht 63, wie es in dem der SZ vorliegenden Papier steht. An der Freiwilligen Ganztagsgemeinschaftsschule Rastbachtal, einer Schule mit jeweils sechs Parallelklassen pro Jahrgang, betrage die durchschnittliche Klassengröße bei 147 Anmeldungen genau 24,5 Schüler pro Klasse, betonte Scholer. „Weiterhin möchte ich noch festhalten, dass an unserer Schule bis zum Schuljahresbeginn mit weiteren Anmeldungen zu rechnen ist“, erklärte der Bellevue-Schulleiter. Der derzeitige sechste Jahrgang der Gemeinschaftsschule Bellevue habe zum Beispiel mehr als 25 Schüler pro Klasse, obwohl nach Ende der Anmeldefrist im vergangenen Schuljahr etwa 20 Prozent weniger angemeldet gewesen waren, betonte Scholer.

Alle im Bildungssystem handelnden Kräfte sollten sich gemeinsam für bessere Bedingungen für die Schüler einsetzen, „anstatt eine Neiddebatte zu führen“, sagte Scholer. Commerçon habe einen „mutigen und lobenswerten, aber auch dringend notwendigen ersten Schritt getan“ – die Schulen hätten durch den Ganztagsunterricht und der damit verbundenen längeren Anwesenheit der Schüler in der Schule die größten Belastungen zu tragen.