Gegner des militärischen Fluglärms im Saarland hoffen auf Hilfe von Kramp-Karrenbauer

Kostenpflichtiger Inhalt: Militärischer Fluglärm : Fluglärm-Gegner hoffen auf Hilfe von AKK

Das Bundesverteidigungsministerium spricht von einer Abnahme der militärischen Fluglärmbelastung in der Region, eine Bürgerinitiative von einer Zunahme. Gespannt richten sich jetzt die Blicke auf einen in dieser Sache „zeitnah“ geplanten Besuch der Bundesministerin Kramp-Karrenbauer im Saarland.

Das Thema ist ein umstrittener Dauerbrenner im Saarland, der zahlreichen Bürgern schmerzhaft in den Ohren dröhnt: militärischer Fluglärm. Die Beschwerden über lärmende Kampfjets haben zuletzt wieder deutlich zugenommen. Zahlreiche Leser wandten sich an die SZ. Als die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin und CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer im Juli den Posten der deutschen Verteidigungsministerin übernahm, kündigte sie an, sich zügig mit dem Fluglärm im Nordsaarland zu befassen. Sie wolle die militärischen Übungsflüge dort prüfen, sagte sie. Zudem erklärte sie, im eigenen Ministerium ebenso wie mit dem saarländischen Innenminister Klaus Bouillon (CDU) „sehr schnell“ über das Thema zu sprechen. Das ist bislang offenbar noch nicht passiert. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums habe sich Kramp-Karrenbauer noch nicht dezidiert mit dem Thema befasst. Gleichwohl würde sie über die aktuellen Entwicklungen in Sachen Fluglärm ständig auf dem Laufenden gehalten, wie eine Sprecher gegenüber der SZ betonte. Und Entwicklungen scheint es da tatsächlich zu geben. Die Frage ist nur, ob diese für alle Beteiligten in die selbe gewünschte Richtung gehen.

Laut Bundesverteidigungsministerium ist man bemüht, „den Flugbetrieb gleichmäßiger auf die großen Übungslufträume in Deutschland zu verteilen“. Dazu stehe das Ministerium in ständigem Austausch unter anderem mit den US-Partnern, die vom Stützpunkt in Spangdahlem aus den Übungsluftraum mit Namen TRA Lauter über dem Saarland und Teilen von Rheinland-Pfalz mit benutzen. „Speziell die enge Zusammenarbeit mit unserem Bündnispartner USA hat dazu geführt, dass im 1. Quartal 2019 die Nutzungsstunden für die TRA Lauter um zirka 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken sind“, teilte das Ministerium auf SZ-Anfrage mit.

„Irreführend“ nennt das die Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung in Kaiserslautern. „Mag sein, dass die Nutzungsstunden in der TRA Lauter zurückgegangen sind“, erklärt Holger Marzen von der BI. Mit eingerechnet seien da aber nicht diejenigen Kampfjets, die unterhalb des Luftraums der TRA Lauter fliegen. Die TRA Lauter beginne oberhalb von 3000 Metern. Nach Angaben der BI hat „die Anwesenheit von Kampfjets in der Region in den vergangenen Jahren vielmehr zugenommen“. Weil viele Kampfjets eben auch unterhalb und damit außerhalb der TRA Lauter flögen. Zudem erfasse der Begriff „Nutzungsstunde“, den das Ministerium anführt, nicht, wie viele Kampfjets innerhalb dieser Stunde in der Luft sind. Marzen: „Die Amerikaner sind meist mit einer zweistelligen Zahl von Kampfjets unterwegs.“ Nach Angaben der BI haben die Stunden mit militärischem Fluglärm in der Region (gemessen jeweils vom 1. Januar bis zum 10. Oktober) von 2017 mit 610 Stunden auf 710 Stunden in diesem Jahr zugelegt. Marzen sieht durchaus „einen guten Willen“ beim Luftfahrtbundesamt, um den militärischen Fluglärm in der Region zu reduzieren. Die statistischen Angaben des Ministeriums seien jedoch aufgrund der Metrik (Nutzungsstunden) mit Vorsicht zu genießen, da sie „die Fluglärm-Belastung in der Region verniedlichen“.

Das Bundesverteidigungsministerium führt auf SZ-Anfrage außerdem an, dass sich „in den grundsätzlich stark frequentierten Sommermonaten 2019 eine verbesserte Gleichverteilung des Flugbetriebes in Deutschland sowie eine leichte Reduzierung beim Gesamtflugaufkommen“ gezeigt habe. „Auch das mag sein“, erklärt Marzen von der BI. „Nur hat das in unserer Region zu keiner spürbaren Entlastung geführt.“

Ins Feld führt das Bundesministerium außerdem, dass für die TRA Lauter eine freiwillige Selbstbeschränkung auferlegt wurde, „die für keinen anderen Übungsluftraum in Deutschland gilt“. Dazu zähle die Einschränkung der Nutzung nach 21 Uhr von Montag bis Donnerstag von Mai bis September sowie die ganzjährige Einschränkung der Nutzung freitags nach 13 Uhr. „Das ist richtig“, bestätigt Marzen. Allerdings hätten zugleich die Flugstunden nach 18 Uhr und vor 21 Uhr deutlich zugenommen. „Gerade in diesem Jahr ist die Dreistigkeit, die Abende zu verlärmen, erheblich gewachsen“, sagt Marzen. Der Hauptanteil der Kampfjet-Übungsflüge ginge auf die Amerikaner zurück, für deutlich weniger als die Hälfte seien Maschinen der Luftwaffe vom Fliegerhorst in Büchel verantwortlich.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Foto: dpa/Michael Kappeler

Die Hoffnungen der Fluglärm-Gegner in der Region ruhen nun auf Kramp-Karrenbauer, die ja angekündigt hatte, sich mit dem Thema zu befassen. Nach Angaben des saarländischen Innenministeriums ist „zeitnah“ ein Treffen mit der Bundesverteidigungsministerin im Saarland geplant. Man befinde sich aber „derzeit noch in der Terminfindung“.

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