Forstleutebund Saar will mit weniger Fachsprache Menschen überzeugen.

Dialog mit den Bürgern : Förster betreiben Image-Pflege

Die Forstleute im Saarland wollen mit einfacher Sprache von ihrer Arbeit überzeugen und hoffen auf mehr Respekt.

Das vergangene Jahr ist kein einfaches für die Forstleute im Saarland gewesen. Ein langer, trockener Sommer, Unwetter und Borkenkäferbefall bedeuteten für viele Bäume das Ende. Die Förster waren und sind immer noch gezwungen, diese zu fällen. Das aber stößt auf Kritik in der Bevölkerung. Zunehmend könnten Bürger die Arbeit der Forstleute nicht nachvollziehen und befürchten Kahlschläge. Zudem sei vielen die Forstwirtschaft, also die Nutzung des Holzes als Rohstoff, ein Dorn im Auge. Die Forstleute möchten künftig mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben – vor allem ohne viel „Fachgesimpel“ – um von der Bedeutung ihrer Arbeit zu überzeugen.

„Wir tun nichts Böses“, sagte Michael Weber, Förster in St. Ingbert und Landesvorsitzender der Gewerkschaft Bund Deutscher Forstleute Saar (BDF), bei einer Generalversammlung in Eppelborn. Im Gegenteil. Die Arbeiten rund um den Wald seien notwendig. Er sprach von einem Hamsterrad, in dem die Forstleute derzeit steckten. Auf der einen Seite die Aufgabe, Holz für den Konsum zur Verfügung zu stellen. Auf der anderen Seite der Anspruch an den Wald als Erholungs- und Freizeitgebiet.

Umso wichtiger sei es daher, mit den Bürgern zu sprechen und ihnen die Arbeit zu erklären. Um das Gleichgewicht zwischen allen Parteien herzustellen. Aber nicht mit Fachwörtern, sondern in einfacher, klarer Sprache. Forstliches Kauderwelsch wie „Auslesedurchforstung und Dimensionierung“ verstünde kaum jemand. Diese Meinung teilt auch Hans-Albert Letter, der Betriebsleiter des Saarforst Landesbetriebs: „Wir leiden an unserer Fachsprache. Vielleicht auch an der Überbetonung der wirtschaftlichen Interessen.“

Einer, der es geschafft hat, eine breite Masse wieder für den Wald zu begeistern, ist der Förster und Autor Peter Wohlleben. Mit Büchern wie „Naturschutz ohne Natur“ oder „Das geheime Leben der Bäume“ erreichte er die Spitze der Bestseller-Listen. Doch auch er ist nicht gefeit vor Kritik. Manche werfen ihm eine Vermenschlichung oder Verniedlichung der Bäume und Natur vor. „Aber wir dürfen ihn nicht verteufeln“, sagte Weber, sondern sich eine Scheibe davon abschneiden. „Wir müssen von ihm lernen und den Trend, den er ausgelöst hat, für uns nutzen.“

Hans-Albert Letter wies darauf hin, dass es Kahlschläge wie vor 35 Jahren, bei denen mitunter sechs Hektar Bäume gefällt wurden, schon lange nicht mehr im Saarland gebe. Außer, wenn es wegen Käferbefall und Sturmschäden zwingend notwendig ist. Aussagen aus der jüngsten Vergangenheit, die Forstleute würden schädlich wirtschaften, hätten ihn sehr getroffen.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD) fand bei der Generalversammlung ebenfalls deutliche Worte. „Niemand hat etwas gegen eine faktenbasierte kritische Diskussion. Aber wenn es abgleitet und emotional wird, ist Schluss mit lustig.“ Selbstbewusst und auch selbstkritisch sollten sich die Forstleute den Diskussionen stellen, sich aber nicht ohne Respekt behandeln lassen. „Etwas, dass wir meines Erachtens auch verdient haben“, sagte Weber.

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