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Förderprogramm "Aktion Wasserzeichen" im Saarland

Saarland weitet Förderprogramm aus : Land fördert Entsiegelung privater Flächen mit neun Millionen Euro

Mehr Regenwasser soll im Boden versickern, statt mit Abwasser in der Kanalisation landen. Neun Millionen Euro macht das Saar-Umweltministerium locker, damit Bürger ihre Stellflächen, Terrassen und Gärten anders gestalten.

Mehr sauberes Regenwasser soll künftig dort hingelangen, wo es hingehört. In den Boden und nicht in die Kanalisation. Das sagte am Dienstag Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) und ruft Kommunen und Bürger dazu auf, sich an der „Aktion Wasserzeichen“ zu beteiligen. Bislang flossen Fördermittel zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung nur an Städte, Gemeinden und den Entsorgungsverband Saar (EVS). Im Jahr 2020 bis heute seien über 50 Maßnahmen für 4,5 Millionen Euro beschieden worden, sagte Jost, mit denen sie ihre kommunalen Flächen entsiegeln konnten.

Diese Förderung gibt es weiterhin, wird nun aber ausgeweitet auf private Flächen. Dafür macht das Land in den Jahren 2021 bis 2023 neun Millionen Euro locker, die über die Kommunen direkt an die Bürger weitergereicht werden sollen. Zum Beispiel für Retentionszisternen, wasserdurchlässige Oberflächenbeläge wie Rasensteine oder sogenannte Mulden-Rigolen-Systeme. Der Fördersatz für die Bürger soll mindestens 50 Prozent betragen. „Für einen neuen Schub in Sachen Entsiegelung unserer Flächen innerorts“, sagte Jost.

„Damit sollen auch die Kanäle entlastet werden. Das Wasser von oben ist sauber und braucht nicht in die Kläranlage.“ Es brauche eine noch stärkere Trennung von Regenwasser und Abwasser. Das verbessere letztlich auch die ökologische Situation in den Städten und Gemeinden, ist sich der Minister sicher. Etwa bei Starkregenereignissen, die durch die entsiegelten Flächen „abgefedert werden“. Außerdem führe eine stärkere Vernässung dazu, dass die oberflächennahen Schichten nicht vertrocknen. „Das Wasser wird dann auch wieder dem Grundwasser zurückgeführt.“

Die Novellierung der Förderrichtlinie stellt außerdem in Aussicht, dass Kommunen Regenwasserentlastungsanlagen messtechnisch aufrüsten können. „Es geht auch um die Nachrüstung und den Neubau von Kläranlagen sowie den Einsatz externer Gewässerschutzbeauftragter“, sagte der Umweltminister. „Der Gewässerschutzbeauftragte kann auch von mehreren Kommunen gemeinsam beauftragt werden. In jedem Fall beträgt der geplante Zuschuss pauschal 2500 Euro jährlich je Gemeinde.“ Wie viel Regenwasser in den Kanälen landet, „ist von unserer Seite schwierig zu schätzen“. Das sei in erster Linie Aufgabe der Kommunen.

Wie aber ist überhaupt die Grundwasser-Situation im Saarland? Seit Jahrzehnten erhebe das Land hierzu Daten über 68 landeseigene Messstellen, erklärte Jost. Die Quantität des Grundwassers sei sehr gut. „Wir haben auch keine Probleme mit Blick auf die Rate der Neubildung von Grundwasser im Herbst und Winter.“ Lediglich im Sommer würden wegen anhaltender Hitze und zu wenigen Niederschlägen die oberflächennahen Schichten zu wenig durchnässt – „was nichts mit dem Grundwasser“ zu tun habe, so Jost. Insgesamt 180 Millionen Kubikmeter Grundwasser würde jährlich neu gebildet. Davon seien 100 Millionen Kubikmeter nutzbar, wovon tatsächlich nur 70 Millionen Kubikmeter jährlich genutzt würden. Davon gingen wiederum 53 Millionen Kubikmeter in die öffentliche Wasserversorgung. Der Rest „zum Beispiel für Mineralwasser-Gewinnung.“ Insgesamt, so Jost, „entnehmen wir weniger als wir eigentlich könnten“.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern stünde das Saarland in Sachen Qualität „vergleichsweise ausgezeichnet da“. Das hänge damit zusammen, dass Wasser aus tiefliegenden, grundwasserbildenden Schichten entnommen werde. „Das Wasser ist in der Regel sehr alt. Und bis es unten in die Schichten hineinkommt ist es zusätzlich gereinigt.“

Weitere Infos zu den Saar-Gewässern unter wrrl.saarland.de