Falscher Doktortitel: Vize-Vorsitzende der Linke soll Strafe zahlen

Saarbrücker Staatsanwaltschaft : Falscher Doktortitel wird für Vize-Linke-Chef Neumann teuer

Viele Jahre soll Andreas Neumann einen Namenszusatz getragen haben, der ihm überhaupt nicht zusteht. Unterdessen fordert die Linksjugend dessen Rücktritt.

4500 Euro Geldstrafe drohen dem stellvertretenden Saar-Vorsitzenden der Partei Die Linke, Andreas Neumann. Denn nach Auffassung der Saarbrücker Staatsanwaltschaft gibt es die Universität gar nicht, von der er einen Doktortitel erhalten haben will. Auf SZ-Anfrage teilte Behördensprecher Dennis Zahedi am Montag (2. September) mit: „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die St. Paul University and Lancaster University – St. Paul European Campus“, welche die Dokumente ausgestellt haben soll, in Wahrheit nicht existiert hat.“ Das sollen Recherchen der Ermittler ergeben haben. So sollen eine entsprechende Verleihungsurkunde und Unterlagen zu einem dortigen Studium unecht sein.

Darum will die Ermittlungsbehörde den Erlass eines Strafbefehls beim Saarlouiser Amtsgericht gegen Neumann erlassen. Im Detail geht es um 90 Tagessätze zu 50 Euro, was insgesamt 4500 Euro macht. Die muss er aber nicht zahlen, wenn er einer Bewährungsauflage nachkommt und 1800 Euro stattdessen berappt.

Der Landespolitiker hatte über Jahre den Doktortitel als Namenszusatz getragen, was bereits einen Rücktritt in der Linken-Spitze forderte. Er habe ihn im Fach Philosophie erhalten, gab Neumann an. Demnach geschah dies im September 2003, dem die Staatsanwaltschaft jetzt nach Ermittlungen widersprach. Eine Reaktion seitens des Beschuldigten gab es bis Montagmittag nicht.

Dafür seitens der Linksjugend. Die Nachwuchsorganisation fordert den sofortigen Rücktritt. „Nachdem nun auch die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss gekommen ist, dass Herr Neumann über Jahre hinweg einen falschen Doktortitel geführt hat, ist ein Rücktritt von allen Parteiämtern überfällig“, heißt es in einer Erklärung des Linksjugend-Vorstandes. Neumann schade mit seinem Verhalten der Partei massiv.

Gleichzeitig wollen die Jungpolitiker einen personellen Neuanfang an der Parteispitze, „um die seit Jahren schwelenden Grabenkämpfe zu überwinden“. Wahlen stehen Ende September bei der Linken an. Neumann sollte auf eine Kandidatur verzichten.

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