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Fallzahlen zeigen: Corona trifft im Saarland immer mehr Ältere

Kostenpflichtiger Inhalt: Neue Daten zeigen : Corona trifft im Saarland immer mehr ältere Menschen

Innerhalb einer Woche hat sich die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle im Saarland mehr als verdoppelt – entgegen dem Bundestrend. Die Lungenkrankheit Covid-19 trifft in der Region zunehmend ältere Menschen.

Im Saarland haben sich bisher 1542 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die vom Gesundheitsministerium am Sonntag bestätigte Fallzahl hat sich gegenüber der Vorwoche mehr als verdoppelt. Nach einer Berechnung der „Süddeutschen Zeitung“ verläuft der Anstieg in allen anderen Bundesländern langsamer als im Saarland. In Rheinland-Pfalz betrug der Zuwachs im selben Zeitraum nur 51 Prozent.

Über die Ursache für das gesteigerte Tempo im Saarland lässt sich weiter nur spekulieren. Was die Infektionszahlen bundesweit nach oben treibt, ist dagegen auch in der Region zu beobachten. Laut einem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts häufen sich in ganz Deutschland die Ausbrüche der Lungenkrankheit Covid-19 in Alten- und Pflegeheimen.

Der Regionalverband Saarbrücken bestätigte unserer Zeitung am Montag, dass Corona-Fälle in Pflegeeinrichtungen die Zahl der Neuinfektionen am Wochenende deutlich ansteigen ließ. Und das nach einer Woche, in der immer wieder Ansteckungen in Seniorenheimen bekannt geworden waren. Mit den Corona-Fällen in den Wohnstätten älterer Menschen verstärkt sich ein seit Wochen zu beobachtender Trend. Mittlerweile sind 30 Prozent der Infizierten im Saarland entweder 60 Jahre oder älter. Noch vor einer Woche machten die Älteren nur ein Fünftel der Betroffenen aus.

Dass sich die Altersverteilung rasant geändert hat, liegt am starken Zuwachs der Corona-Patienten über 80 Jahre. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der bestätigten Infektionen hat sich im Saarland in der zurückliegenden Woche auf elf Prozent mehr als verdoppelt. Das zeigen die verfügbaren Daten des Robert-Koch-Instituts zur Altersverteilung der Corona-Fälle in der Region. Das Gros der Infizierten hohen Alters entfällt im Saarland weiterhin auf den Regionalverband. In Saarbrücken und Umland gibt es bisher auch die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2. Nach einer Berechnung der lokalen Behörden liegt das Durchschnittsalter der Corona-Toten im Regionalverband derzeit bei 79,1 Jahren. Deutschlandweit sind 15 Prozent der Infizierten aktuell 70 Jahre oder älter. Der Anteil dieser Altersgruppe an den Todesfällen liegt auf nationaler Ebene bei 86 Prozent.

Wie lassen sich die Risikogruppen in Alten- und Pflegeheimen besser schützen? Früh hat die Landesregierung auf Besuchsverbote gedrängt, nur in Ausnahmefällen dürfen Angehörige noch zu ihren Verwandten. Verstößt eine Heimleitung gegen diese Regeln, drohen Bußgelder bis zu 800 Euro. Die Saarländische Pflegegesellschaft hat die Regierung indes aufgefordert, flächendeckende Tests für stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste anzuordnen. Was bedeuten würde, dass Abstriche von schätzungsweise 35 000 Menschen genommen werden müssten, darunter 21 000 Pflegebedürftige.

Derzeit sei so etwas nicht geplant, sagte Regierungssprecher Alexander Zeyer am Freitag. Zu diesem Zeitpunkt waren 6,4 Prozent der Altenheime im Saarland von Infektionen betroffen, 48 Senioren und 43 Beschäftigte trugen das Virus in sich. Es sind Zahlen, die zu Wochenbeginn überholt sind: Am Montag teilte der Regionalverband vor Bekanntgabe der landesweiten Infektionszahlen mit, dass sich allein auf seinem Gebiet mittlerweile 80 Bewohner von Altenheimen angesteckt haben. Ein Sprecher betonte, dass sich die Corona-Fälle auf fünf von 47 Einrichtungen verteilen, somit „knapp 90 Prozent“ der Häuser noch keine Erkrankung gemeldet haben. Doch die Träger sind alarmiert. Am vergangenen Freitag ließ sich in der Abstrichstation der Kassenärztlichen Vereinigung in Saarbrücken das gesamte Personal eines Seniorenheims auf das Coronavirus testen. Das Robert-Koch-Institut arbeitet an Teststrategien für Einrichtungen im ganzen Bundesgebiet.

Das Gesundheitsamt im Regionalverband entscheidet im Einzelfall, wie und durch wen Bewohner und Beschäftigte von Einrichtungen getestet werden, in denen das Coronavirus angekommen ist. Bisher stiegen die Fallzahlen in den Heimen nach dem Bekanntwerden erster Infektionen meist sprunghaft an. So war in einer Seniorenresidenz der Arbeiterwohlfahrt in Püttlingen das Virus zunächst bei acht von 104 Senioren nachgewiesen worden. Am Freitag war dann ein Viertel aller Bewohner der Einrichtung betroffen, daneben eine zweistellige Zahl von Beschäftigten. Noch am selben Tag stellte der Betreiber des Caritas-Seniorenhauses in Bischmisheim sein Heim nach positiven Tests unter Quarantäne. Ähnlich isoliert sind nach Corona-Fällen nun auch das Egon-Reinert-Haus in Saarbrücken, das Seniorenzentrum Johanna-Kircher-Haus sowie das Seniorenheim der Barmherzigen Brüder in Kleinblittersdorf, wo eine kürzlich verstorbene Corona-Patientin gelebt hatte. Das Saarbrücker Gesundheitsamt hat der Pflegegesellschaft kurzfristig 2000 FFP2-Masken aus seinem Bestand zukommen lassen, um sie an die Seniorenheime weiterreichen zu lassen, „bei denen der Bedarf am größten ist“, wie Peter Gillo (SPD) sagte, der Direktor des Regionalverbandes.

Nachdem in Merzig-Wadern ein Bewohner eines Pflegeheims in Besch im Zusammenhang mit dem Coronavirus starb, nahmen Mitarbeiter des dortigen Gesundheitsamts auch Abstriche bei den übrigen Bewohnern und Angestellten. So kam es, dass am vergangenen Wochenende aus 84 Corona-Fällen plötzlich 118 wurden. Denn von 34 Neuinfektionen entfiel rund ein Drittel auf das Heim, in dem der Verstorbene gewohnt hatte.