Evangelische Kirche im Saarland: Rekowski und Schad vereinbaren engere Zusammenarbeit mit Land

Spitzengespräch der Protestanten mit der Landesregierung : Evangelischer Kirche droht Pfarrermangel

Weniger Gläubige und weniger Geistliche bereiten den evangelischen Kirchenführern Probleme. Kirchenvertreter und Land vereinbarten eine engere Zusammenarbeit.

Die evangelischen Kirchen im Saarland und die Landesregierung wollen künftig enger zusammenarbeiten. Das kündigten der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sowie der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, und der Präsident der Kirche der Pfalz, Christian Schad, gestern nach ihrem jährlichen Spitzentreffen in der Saarbrücker Staatskanzlei an.

Konkret sei es um eine gemeinsame Immobiliennutzung gegangen. Statt dass die evangelische und katholische Kirche sowie die Kommune jeweils ein kirchliches Gemeindezentrum oder kommunalen Gemeindesaal unterhielten, die nicht ausgelastet seien, sei es sinnvoller, gemeinsam ein Haus zu nutzen, sagte Schad: Für dessen energetische Sanierung könne es Mittel aus staatlichen Fördertöpfen geben. Ministerpräsident Hans ergänzte, man wolle die Kirchengremien über die Fördermöglichkeiten des Landes informieren, da diese oft nicht bekannt seien.

Intensiv sei, so Hans, über die medizinische Versorgung gesprochen worden. Die Trägervielfalt der Krankenhäuser im Land müsse erhalten bleiben. Die Träger müssten jedoch vom Land in die Lage versetzt werden, sich zu spezialisieren. Über die finanziell stark angeschlagene Kreuznacher Diakonie, die im Saarland drei Krankenhäuser betreibt und im Juli keine Bestandsgarantie für die Standorte geben konnte, sei allerdings nicht gesprochen worden.

Den ländlichen Raum zu stärken, damit sich dessen Bewohner nicht abgehängt fühlen, sei gemeinsames Ziel von Land und Landeskirchen, betonten sowohl Hans als auch die Kirchenvertreter. Eine Herausforderung sei in diesem Zusammenhang auch der demographische Wandel. „Die saarländische Bevölkerung nimmt seit 25 Jahren kontinuierlich ab. Dazu ist der Alterungsprozess eine zunehmende Herausforderung für unser Land, die Kommunen, Sozialsysteme und Kirchen“, sagte Hans. Die Ursachen seien eine geringe Geburtenrate und die Abwanderung von jungen Menschen aus dem Saarland. Um diese Tendenz zu stoppen, müsse der ländliche Raum attraktiver werden, etwa durch Maßnahmen der Daseinsvorsorge, einen starken ÖPNV, schnelles Internet und attraktive kulturelle Angebote. „Es muss eine gemeinsame Aufgabe des Landes und der Kirchen sein, die gleichwertigen Lebensbedingungen für die Menschen in Stadt und Land zu sichern“, sagte Präses Rekowski. Die evangelische Kirche sehe sich in der Verantwortung, seelsorgerisch und pastoral in der Fläche präsent zu bleiben.

Der demographische Wandel mache auch nicht vor den Kirchen Halt, erläuterte Kirchenpräsident Schad. In den kommenden Jahren zeichne sich ein Pfarrermangel ab. So gingen ab 2020 im Zeitraum von zehn Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand. So rechne die pfälzische Landeskirche damit, dass im Schnitt 25 Geistliche in den Ruhestand gehen. Ihnen stehen wohl nur etwa zehn Vikare als Nachwuchs gegenüber. „Und das ist gut gerechnet“, sagte er. Da die Zahl der Geistlichen sinken werde, wolle man verstärkt Laien, also Nicht-Theologen, ausbilden und diese befähigen, selbstständig Gottesdienste zu halten. Diese sollen auch ordiniert werden, damit sie auch Sakramente wie die Taufe spenden können. Jedoch sollen diese Prädikanten keine eigene Pfarrei leiten. „Das Ziel ist es, eine wohnortnahe Kirche zu bleiben“, sagte Schad.

Auch der Umgang mit politischen Extremen und die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg waren Thema des Treffens. „Am Wochenende ist es gelungen, das Schlimmste zu verhindern, nämlich dass die sogenannte Alternative für Deutschland stärkste Kraft geworden ist“, sagte Hans. Politik müsse auch in strukturschwachen Gegenden wahrgenommen werden als jemand, der sich um die Probleme kümmert. „Das Thema Extremismus spüren wir auch als Kirchen“, sagte Christian Schad. Abstiegsängste und Zukunftssorgen müsse man ernst nehmen und im Dialog bleiben, aber keinesfalls werde die Kirche eine Bühne für Provokation und Hass bieten, betonten Schad und Rekowski.